Wildeshausen - Die Stadt will Willkommenspakete schnüren, um Hausärzte nach Wildeshausen zu locken. Dafür hat am Donnerstag der Ausschuss für Stadtentwicklung, Fremdenverkehr, Sport und Kultur gestimmt. Doch momentan sind dem Bürgermeister und den anderen Ratsvertretern die Hände gebunden, weil es keinen freien Kassensitz mehr gibt. Die neuen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) werden im Juni veröffentlicht. Die Stadtverwaltung soll derweil schon einmal ein Konzept entwerfen, was das Willkommenspaket enthalten könnte.
Keine Geld für Ärzte
Der Ausschuss erteilte einer finanziellen Förderung für die Ansiedlung eines Hausarztes eine Absage. Das hatte die FDP gefordert. Sie wollte ein Förder- und Investitionsprogramm von bis zu 20 000 Euro auf den Weg bringen. Anlass war, dass Theorie und Praxis offensichtlich nicht übereinstimmen. Diesen Eindruck bestätigten auch mehrere Ratsmitglieder. Obwohl in Wildeshausen und Umgebung die hausärztliche Versorgung mit 103,8 Prozent von der KVN als bedarfsgerecht bezeichnet wird, bewerteten mehrere Ratsmitglieder die Alltagssituation anders. Viele Bürger hätten Probleme, einen neuen Hausarzt zu finden.
Das Ziel der Stadt Wildeshausen, mit einem Begrüßungspaket einen Hausarzt zur Ansiedlung zu motivieren, ist nach Aussagen von Helmut Scherbeitz, KVN-Geschäftsführer der Bezirksstelle Oldenburg, vielerorts längst Praxis. Einerseits gebe es finanzielle Hilfen, andererseits Unterstützung bei Bauplätzen sowie Kita- und Schulplätzen.
Aber auch die KVN unterstütze Ärzte. „Wir schauen auf ganz Niedersachsen, wo es echte Probleme bei der Versorgung mit Hausärzten gibt“, sagte Scherbeitz der NWZ. Dazu gehöre der Planungsbereich Wildeshausen mit Dötlingen, Großenkneten, Harpstedt und der Kreisstadt nicht.
Als Beispiel, wo die hausärztliche Versorgung gefährdet sei, nannte Scherbeitz den Süden des Landkreises Cloppenburg mit den beiden Gemeinden Lastrup und Löningen. „Für solche Fälle geben wir einen Investitionskostenzuschuss von 60 000 Euro, wenn ein Hausarzt eine Praxis übernimmt oder eine neue Praxis eröffnet.“
Nach Aussage des Ratsherrn Wolfgang Sasse (CDU) werde versucht, für die Notfallpraxis am Krankenhaus Johanneum neben Mittwoch- und Freitag- auch am Montagnachmittag eine zusätzliche Sprechstunde zu schaffen.
Zur Not ins Johanneum
Nach Ansicht von Rainer Kolloge (UWG) darf es nicht sein, dass Bürger keinen Hausarzt finden und gezwungen seien, in die Notfallpraxis am Johanneum gehen zu müssen.
Christa Meenken (FDP) meinte, dass das Netzwerk der Gesundheitsregion Landkreis Oldenburg ausgebaut werden müsse. Kreativität sei gefragt. Ein gutes Beispiel sei in Dötlingen die an eine Hausarztpraxis angebundene Gemeindeschwester. Die Krankenschwester übernehme auch Hausbesuche.
