Oldenburg - Nicole Deufel kennt inzwischen den Oldenburger Stadtplan, doch die Geografie der Stadt und das besondere „Oldenburg-Gefühl“ muss sie erst erobern. Und das will sie keinesfalls allein schaffen. 20 Jahre lang hat sie im Ausland gelebt: in den USA und Großbritannien. Nach Oldenburg ist sie ganz bewusst gekommen. „Ich bin aufrichtig begeistert von der Stadt und lade alle ein, mir mitzuteilen, wo ihre Lieblingsplätze sind und was für sie Oldenburg so besonders macht“, sagt die neue Leiterin des Amtes für Museen, Sammlungen und Kunsthäuser, die seit vier Tagen an ihrem neuen Schreibtisch in der Francksen-Villa sitzt.
Mit ihrer internationalen Laufbahn hatte die 42-Jährige die Gremien überzeugt. Bis zum Sommer lebte sie im schottischen Midlothian, wo sie für eine Unternehmensberatung im Kultur- und Museumsbereich arbeitete. Finanzplanung, Projektentwicklung und Wirkungsforschung in Museen zählten zu ihren Schwerpunkten.
„In der Unternehmensberatung lernen Sie, sich schnell einen Überblick zu verschaffen und zu analysieren“, erklärt sie. Das ist auch das Thema der ersten Tage: „Ich muss natürlich zunächst einmal eine Bestandsaufnahme machen. Ich freue mich auf eine spannende, herausfordernde Aufgabe “, erklärt sie.
Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, der sie mit einem Blumenstrauß begrüßte, erwartet von ihr neue Impulse für die städtischen Museen: „Frau Deufel bringt eine sehr gute Qualifikation und viel internationale Erfahrung mit nach Oldenburg, sie wird sicher neue Akzente in unserer Kulturarbeit setzen können.“ Er sieht in der Neupositionierung des Stadtmuseums eine der wichtigsten Aufgaben der Nachfolgerin von Dr. Friedrich Scheele (NWZ berichtete). Für die Leitungsstelle hatte es insgesamt 38 Bewerbungen gegeben. Dr. Nicole Deufel kommt aus Albstadt (Baden-Württemberg). Sie studierte Kunst in San Francisco und arbeitete seit 2005 in Großbritannien. So hat sie etwa an der Konzeption einer binationalen Ausstellung über den Ersten Weltkrieg zwischen Worms und St. Albans mitgewirkt.
In diesem Jahr promovierte sie sich an der London Global University im Fach Philosophie. In ihrer Doktorarbeit beschäftigte sie sich damit, wie Kulturerbe den Besuchern in Museen und an Kulturstätten präsentiert wird. In einer Fallstudie in England und Deutschland verglich sie etwa die Darstellung der Schlacht von Hastings (1066) mit der Varusschlacht (Kalkriese).
Während der Forschungen in „Kalkriese“ hat sie in Bramsche gewohnt und sich schon für Niedersachsen begeistert. „Die Landschaft hier oben ist einfach unheimlich schön.“ Nicole Deufel beschäftigt sich auch viel mit der Einbindung digitaler Medien in die Vermittlung historischer Inhalte. Auch die sozialen Medien nutzt sie für dieses Anliegen. Entsprechende Fragestellung diskutiert sie in ihrem Blog oder auch auf Twitter @nicoledeufel. Das sei allerdings eher privat, berichtet sie.
Auf digitale Inhalte und virtuelle Projekte, so wie etwa jüngst die Kartografie-Ausstellung im Stadtmuseum, legt sie Wert. Stadtmuseen sind in ihren Augen Orte, die Identität schaffen. Den Ausdruck „Heimat“ empfindet sie als eher schwierig.
Aber sie will wissen, womit sich Oldenburger identifizieren, wo ihre Lieblingsplätze sind. All das sei auch für die neue Gestaltung des Stadtmuseums wichtig. Aber das interessiert sie auch persönlich.
Eine Wohnung hat sie auch schon gefunden. „In Ofenerdiek, also wirklich sehr zentral gelegen“, findet sie. Die Oldenburger, denen sie das erzählt, lächeln dann immer. Versteht sie gar nicht.
