Stollhamm - Junge und alte Menschen leben zusammen unter einem Dach, helfen einander, lernen voneinander, sind Teil der Lebenswelt des jeweils anderen. Ein Traum? Für Karin und Hans Hellwig ja. Und es soll kein Traum bleiben. Die Eckwarden möchten die alte Stollhammer Schule kaufen. Sie haben der Gemeinde jenes Kaufangebot unterbreitet, über das kommende Woche der Finanzausschuss des Gemeinderats entscheiden soll. Dass sie ihren Traum in dem alten Schulgebäude realisieren können, ist nach dem derzeitigen Stand der Dinge allerdings fraglich.
Die Hellwigs, die kein Problem damit haben, dass ihr Name in der NWZ steht, die aber nicht auf einem Foto erscheinen möchten, leben seit 2011 in Butjadingen. Sie wohnen auf einem Resthof in Eckwarden, der ihnen aber zu groß geworden ist, seit Tochter Lisa aus dem Haus ist.
Trend aus Skandinavien
Vor diesem Hintergrund haben sie sich Gedanken über ihre eigene Zukunft gemacht. Karin Hellwig ist 57 Jahre alt, ihr Mann bereits 72. „Irgendwann mal in ein Altersheim zu gehen, das ist für uns keine Option“, sagt Karin Hellwig. Vielmehr fasziniert die Eckwarder schon lange die Idee des sogenannten Cohousings, eines generationenübergreifenden Zusammenwohnens, das seit einiger Zeit vor allem im skandinavischen Raum eine Renaissance erlebt.
Die Hellwigs sind davon überzeugt, dass sich die 2012 geschlossene Grundschule in Stollhamm für ein solches Cohousing anbietet. Ihre Idee ist, die Schule zu einem Preis von 75 000 Euro, die sie der Gemeinde geboten haben, zu kaufen und für ein generationsübergreifendes Wohnen herzurichten. So würde es eine Küche, ein Esszimmer und ein großes Wohnzimmer als Gemeinschaftsräume geben. Alle Bewohner hätten aber auch private Räume, in die sie sich zurückziehen können.
In die Gemeinschaft, für die es nach Auskunft der Hellwigs neben ihnen selbst bereits weitere potenzielle Mitbewohner gibt, würde sich jeder mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten einbringen. Nach der Idee der beiden Eckwarder wird in der ehemaligen Schule gemeinsam gekocht, gegessen und geklönt. Die Bewohner kaufen gemeinsam oder für einander ein. Ein Bereich der alten Schule soll auch der Öffentlichkeit offenstehen. Regelmäßig würden dort zum Beispiel Kreativangebote gemacht oder Spieleabende veranstaltet.
Verwundert über Antrag
Die Hellwigs, die betonen, dass es ihnen nicht ums Geldverdienen geht, glauben fest an eine Chance für ihr Projekt. Und bislang glaubten sie nach entsprechenden Gesprächen auch, dass der Gemeinderat zumindest mehrheitlich hinter ihnen stünde. Umso verwunderter waren sie, dass nun ein Antrag der aus CDU, FDP und Unabhängigen bestehenden Mehrheitsgruppe im Rat vorliegt, demnach die Gemeinde die Schule nicht verkauften, sondern abreißen und das Grundstück für die Erschließung von Bauplätzen nutzen soll. Ihren Traum sehen die Hellwig damit platzen.
CDU-Fraktionschef Johann Evers, der den Antrag für die Mehrheitsgruppe unterzeichnet hat, sagt, dass für ihn persönlich hinsichtlich der Zukunft der Schule noch nichts in Stein gemeißelt sei. FDP-Ratsfrau Uta Meiners bezieht dagegen klar Position. Sie ist der Meinung, dass Stollhamm mit Bauplätze besser gedient wäre als mit alternativem Wohnen. Zudem könnten die Pläne der Hellwigs Idee für ein Gesamtkonzept zur Entwicklung des Stollhammer Ortskerns im Wege stehen, so Uta Meiners auf Nachfrage. Der Finanzausschuss tagt in der Sache am kommenden Donnerstag, 12. März, ab 19 Uhr öffentlich im Rathaussaal in Burhave.
