STRAßBURG - Das EU-Parlament hat ein klares Verbot gefährlicher Pestizide gefordert. Erstmals sollen krebserregende, erbgut- und fortpflanzungsschädigende Pestizide nicht mehr zugelassen werden. Eine Premiere sei auch das Verbot von Wirkstoffen, die giftig für das Immun- oder Nervensystem sind und das Hormonsystem angreifen, sagte die deutsche Berichterstatterin der Grünen, Hiltrud Breyer, am Dienstag in Straßburg. Der Gesetzentwurf, für den eine zweite Lesung erforderlich ist, könnte ab 2009 in Kraft treten.
Breyer nannte das Ergebnis der Abstimmung eine „Sternstunde“ für den Gesundheits- und Verbraucherschutz in der EU. „Die Abgeordneten haben sich nicht von der Panikmache der Chemie- und Agrarlobby anstecken lassen“, sagte sie. In und um Parks, Schulen und Kinderspielplätzen dürfen dem Gesetzentwurf zufolge keine Pestizide versprüht werden.
Christdemokraten konnten sich mit der abschwächenden Forderung durchsetzen, Pestizide nur zu verbieten, wenn ihre Gefährlichkeit für den Menschen nachgewiesen sei.
Die deutsche Pflanzenschutz-Industrie kritisierte die Entscheidung als „Steilvorlage zur Verhinderung von Innovationen“. Die Industrie forsche dafür, Pflanzenschutz sicher für Umwelt und Verbraucher zu machen und habe dabei große Fortschritte erzielt, sagte Volker Koch-Achelpöhler, Geschäftsführer des Industrieverbandes Agrar.
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