Oldenburg - Die Straßennamen-Debatte, die Oldenburg seit mehr als zwei Jahre beschäftigt, geht in die entscheidende Phase. An diesem Dienstag beginnt um 19 Uhr im Kulturzentrum PFL die erste von drei Diskussionsrunden zu Namensgebern, die in der Nazi-Zeit gelebt haben. Vor allem Anlieger sind aufgerufen, sich zu Wort zu melden.

Die Stadtverwaltung will nach Abschluss der Diskussionen im Sommer eine Empfehlung vorlegen, ob Straßenbezeichnungen ergänzt oder sogar geändert werden sollen.

Eine vom Rat der Stadt Oldenburg 2012 in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie hatte zunächst 74 Personen benannt, nach denen Straßen benannt wurden und bei denen geprüft werden sollte, ob sie mit dem nationalsozialistischen Regime verstrickt waren. Diese Studie war Grundlage für die Entscheidung einer Kommission des Rates, zehn Personen und damit zehn Straßennamen zur Diskussion zu stellen.

Unter Beteiligung der Bürger soll nun diskutiert werden, ob diese Personen die Ehrung durch einen Straßennamen nach heutigen Maßstäben verdienen.

An diesem Dienstag geht es zunächst um Ludwig Erhard, Ernst Ferdinand Sauerbruch, Richard Strauss und Felix Wankel. In der kommenden Woche, am Mittwoch, 11. März, 19 Uhr, stehen Hinrich-Wilhelm Kopf, Theodor Pekol und Johann Heinrich Schütte im Mittelpunkt.

Am Dienstag, 24. März, 19 Uhr, folgen schließlich Hedwig Heyl, Paul von Hindenburg und August Hinrichs.

Uwe Fischer, Kulturreferent der Akademie der Ev.-Luth. Kirche, moderiert die Veranstaltungen. Die Professoren Dr. Dietmar von Reeken und Dr. Malte Thießen wollen gemeinsam mit den Anwesenden Argumente für und gegen eine Umbenennung ausmachen.

Die Entscheidung für oder gegen die Umbenennung trifft letztendlich der Rat der Stadt.

„In vielen anderen Städten hat es eine solche Debatte um Straßennamen ebenfalls schon gegeben“, begründet die Stadtverwaltung die Diskussion. Bürger fragten immer häufiger nach der Bedeutung von Straßennamen und diskutierten darüber, ob sie lediglich Orientierungshilfen im Verkehr seien oder sich mit ihnen eventuell Geschichtsbilder manifestierten, die hinterfragt werden sollten. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann hatte zuletzt betont, es gehe bei der Diskussion vor allem auch um die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Diese Beschäftigung mit der Vergangenheit sei der eigentliche Sinn der Straßennamen-Debatte.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)