STRUDTHAFE - Muttertag? „Ist der denn schon diesen Sonntag“, fragt Hilke Detering ihre Mutter Hermine Iben. Das Thema wird, scheint’s, nicht so hoch gehängt in der Familie. Dabei sind sie doch so viele Mütter auf dem Hof in Strudt­hafe: Die 30-jährige Hilke Detering und ihr Mann Dominic haben drei Töchter – Heli (3), Daja (1) und die eineinhalb Monate alte Jule –, mit denen sie im Haus ihrer Eltern, Werner und Hermine Iben (55), unterm Dach wohnen. Bruder Axel, der mit seinem Vater den Hof führt, und dessen Lebensgefährtin Christin Heinrichs (29) leben mit Fynn (acht Monate) ein paar Schritte entfernt in den eigenen vier Wänden. Und gleich daneben steht das Haus von Großmutter Hilde Iben (83). Vier Mütter in einer Familie – und keine hat den Muttertag so richtig auf der Rechnung . . .

„Früher wurde davon noch mehr gemacht“, meint Hilde Iben. Und ihre Schwiegertochter erinnert sich gern zurück an gedeckte Frühstückstische und kleine Geschenke, als ihre Kinder noch jung waren. Aber jetzt? „Das muss nicht mehr sein“, winkt Hermine Iben ab.

Bei ihr ist sowieso ständig Muttertag: „Die Kinder sind ja jeden Sonntag da“, erzählt sie. Oft kommt auch ihr jüngster Sohn Chris dazu, der ebenfalls nicht weit weg in Groß Ippener lebt. Ansonsten bietet die Vesperzeit am Nachmittag jeden Tag Gelegenheit, im großen Familienkreis zusammenzukommen. „Da gibt’s immer was zu besprechen!“

Und auch mittags sitzen die Ibens – zwar nicht täglich, aber oft – in großer Runde zusammen. „Dann ist hier richtig was los“, lacht Hermine Iben mit Blick auf ihre quirligen Enkeltöchter. Die Ernährungs- und Gesundheitsberaterin kocht meistens für die ganze Familie. Ihre Schwiegermutter schält dazu die Kartoffeln. „Wenn es nicht genug sind, habe ich die Schuld“, scherzt die 83-Jährige. Großfamilie erfordert eben viel Absprache und Rücksichtnahme, da sind sich alle Generationen einig.

„Manchmal ist es ein bisschen anstrengend“, beschreibt Hilke Detering die Situation. „Aber es hat auch praktische Seiten“. So wissen es die jungen Mütter sehr zu schätzen, dass sie die Kinder kurz bei der Großmutter lassen können, wenn sie etwas zu erledigen haben. Und Hermine Iben findet es umgekehrt „schön, wenn die Kinder zusammen aufwachsen. Das entwickelt sich bei uns ja immer mehr zu einem kleinen Kindergarten.“

In den richtigen Kindergarten geht die dreijährige Heli schon. Möglicherweise hat sie dort etwas für den Muttertag vorbereitet – die Mutter wartet das mal ab. Hilke Detering und Christin Heinrichs sehen sowieso andere in der Pflicht: „Eigentlich“, meinen sie lachend, „sind dafür ja die Männer zuständig.“

Irgendwer in der großen Familie wird wohl doch an den Muttertag denken . . .

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)