Oldenburg - Mobbing, Erpressungen, Schlägereien, sexuelle Gewalt – die Liste der Übergriffe in deutschen Gefängnissen ist lang. Und Gewalt ist an der Tagesordnung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (NWZ  berichtete). Eine Rangliste der fünf untersuchten Bundesländer und 33 Gefängnisse wollten die Experten eigentlich nicht aufstellen.

Dennoch sickerte am Freitag durch: „Die Justizvollzugsanstalt Oldenburg hat die günstigsten Werte der Studie“, so Busemann laut Medienberichten. Das bestätigte auch Christian Pfeiffer, Mitautor der Befragung: „Oldenburg hat in Niedersachsen sehr gut abgeschnitten, davon können andere Haftanstalten lernen.“

Laut Pfeiffer gebe es zwischen den Gefängnissen „riesige Unterschiede“. Gute Personalführung und eine vernünftige Überwachung könnten die Zahl der Gewaltdelikte hinter Gittern deutlich senken.

In Oldenburg geht man seit 20 Jahren etwas andere Wege im Strafvollzug. Lange vor dem Bau der neuen Anstalt in Kreyenbrück führt Gefängnischef Gerd Koop mit seinen Mitarbeitern 1992 ein neues Konzept ein. „Alle Gefangenen bekommen vom ersten Tag an alle üblichen Hafterleichterungen. Niemand muss sich etwas verdienen. Er kann seine Vergünstigungen aber ganz schnell wieder verlieren, wenn er sich nicht an unsere Regeln hält“, sagt Koop. Und mindestens 95 Prozent würden sich auch daran halten. Die für ihn wichtigste Regel ist Sauberkeit. Und in der Tat, die vor gut zehn Jahren eröffnete Anstalt in Kreyenbrück sieht immer noch so gepflegt aus wie beim Erstbezug. Flure, Hafträume, Gemeinschaftseinrichtungen sind ohne Ausnahme pikobello. „Sauberkeit senkt das Aggressionspotenzial“, meint Koop. Auch die Mitarbeiter sind in einer sauberen Umgebung höher motiviert.

Ein weiterer Grundsatz lautet: „Die Gefangenen sind unsere Nachbarn von morgen“. Darauf will Koop die Inhaftierten vorbereiten. Nicht wegschließen, sondern auf das Leben in Freiheit vorbereiten.

In Kreyenbrück gibt es fast nur Einzelzellen. Jeder Häftling muss sich selbst um die Sauberkeit seiner Zelle kümmern. Schmierereien sieht man nirgendwo. Auch beim Sport geht er andere Wege. Die sonst so beliebten Mucki-Buden hat er abgeschafft. Es gibt fast nur Teamsport. Krafttraining in der JVA fördert die Aggression, meint Koop.

Trotz des guten Abschneidens gibt sich der Gefängnischef zurückhaltend. „Ich kann mir kein Urteil zu anderen Anstalten erlauben.“ Und auch er könne nicht garantieren, dass nicht auch mal etwas in Oldenburg passiert.

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland