Friesoythe - Aus dem „Inner Circle“ der Macht, dem siebten Stock des Kanzleramts in Berlin, berichtete das Kabarett der „Distel“ am Dienstagabend im Forum am Hansaplatz. Die Kabarettisten Timo Doleys, Edgar Harter und Caroline Lux gaben im voll besetzten Forum einen satirischen Blick auf den Politbetrieb. Der Plot: Dr. Alexander Dossmann, Berater und Spin-Doktor der Kanzlerin, will – streng verkatert nach einer Feier – aus dem Elfenbeinturm der Politik heraus in die „reale Welt“, um Volkes Stimme zu vernehmen. Auf seine Mitarbeiter will er sich nicht mehr verlassen („Ich habe ja nichts gegen Beamte, die tun ja nichts.“).

Volkes Stimme berlinert kräftig. Wie der Taxifahrer, der mit deftigen Worten Dossmann über den Taxi-Krieg in der Hauptstadt aufklärt. Oder schwäbelt im schlimmsten Fall. „Die Kanzlerin ist gestürzt – sie muss jetzt mit zwei Krücken regieren“, verkündet Caroline Lux. „Sigmar Gabriel und Horst Seehofer“, schiebt sie zur Verdeutlichung nach. 100 Tagen Große Koalition: „GroKo“ stehe wohl eher für Große Kollision. Hans-Peter Friedrich (CSU) musste so schnell seinen Hut nehmen, dass Merkel ihm nicht mal ihr vollstes Vertrauen aussprechen konnte.

Belgien ist pleite und muss unter den Rettungsschirm – am Ende auch Frankreich. Kein Problem für Spin-Doktor Dossmann. Alles eine Frage der Vermittlung. Luftblasen und in entscheidenden Situationen von kritischen Fragen ablenken, so die Taktik.

Zwischendrin treten die Akteure immer wieder aus ihren Rollen hervor, informieren über den Politikbetrieb und über Demokratie.

„Alle zehn Jahre“, stellen die Kabarettisten erschrocken fest, „gibt es zehn Prozent mehr Arme. 2070 gibt es keine Mittelschicht mehr.“ Bedeutet: „In Zukunft gibt es nur noch drei Bundesländer: Aldi Nord, Aldi Süd und Bayern“, stellt Edgar Harter nüchtern fest. Apropos Bayern: Die vom südlichen Bundesland betriebene Föderalismusdebatte lasse nur den Schluss zu: „Bayern hat die Atombombe und erpresse den Rest der Republik.“ Uli Hoeneß wird nicht ausgespart („Der Runde muss ins Eckige“), ebenso wenig die Verbindung von Goldman Sachs in die Regierung – und die Kanzlerin. Mit ihr sei es wie im Steakhaus: Man habe eine Menge Auswahl, aber letztlich nur bei den Beilagen.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)