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Die Landesarbeitsgemeinschaft Angehöriger psychisch Kranker traf sich am Sonnabend im ehemaligen Landtag in Oldenburg. Thema der Tagung waren Probleme mit der Diagnose.
Von Ascan Dieffenbach
Frage:
Wann bezeichnet man Menschen als psychisch krank?
Dr. Carsten Petry, Chef des Sozialpsychiatrischen Dienstes Oldenburg:
Das hängt davon ab, welches diagnostische Kriterium angelegt wird. Krankheit heißt, dass es sich um einen abweichenden Gesundheitszustand handelt. Es geht aber auch darum, wie der Betroffene seine Krankheit erlebt.
Frage:
Sie haben bei der Veranstaltung zum Thema „Psychisch Krank - Probleme mit der Diagnose?" gesprochen. Wie wichtig ist der Informationsaustausch für Betroffene, Angehörige und für die Helfer?
Petry:
Der Trialog ist besonders wichtig. Das heißt: Betroffene, soziales Umfeld und professionell Tätige kommen zusammen und sprechen sich ab. Gerade in der Psychiatrie ist es wichtig, dass man viel miteinander in Kontakt steht.
Frage:
Wie können Angehörige eine Erkrankung erkennen?
Petry:
In der Regel fallen Veränderungen auf. Psychische Erkrankungen stellen sich auch in der Veränderung des sozialen Verhaltens dar. Wichtig ist es dann, möglichst bald einen Arzt aufzusuchen. Im professionellen System treten mitunter Probleme auf. Zum Beispiel werden Depressionen spät bemerkt, weil man hierfür den Betroffenen sehr gut kennen muss.
Frage:
Welche Möglichkeiten der Hilfe gibt es für Angehörige?
Petry:
Im Mittelpunkt muss immer der Erkrankte stehen. Man muss sich immer fragen, was der Betroffene wohl benötigt. Dazu muss man über die Erkrankung und mögliche Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten Bescheid wissen.
Frage:
Ist der Sozialpsychiatrische Dienst die erste Adresse?
Petry:
Angehörige können sich an den Sozialpsychiatrischen Dienst wenden. Wir versuchen, uns zunächst ein Bild zu machen und können dann gemeinsam überlegen, welche Hilfen es in Oldenburg gibt und was das Richtige sein kann.
Frage:
Welche Diagnose kommt bei Kranken häufig vor?
Petry:
Das Angebot des Sozialpsychiatrischen Dienstes richtet sich an schwer- und chronisch Kranke. Psychosen oder schwere affektive Störungen sind häufige Diagnosen.
Frage:
Wie viele psychisch Kranke gibt es schätzungsweise in Oldenburg?
Petry:
Prozentual vermutlich wie in anderen vergleichbar großen Städten auch. Die Stadt Oldenburg hat eine attraktive Infrastruktur. In Oldenburg möchte man gerne wohnen – auch als psychisch Kranker.
Frage:
Wie sehen sie die Versorgungssituation in Oldenburg?
Petry:
In Oldenburgs gibt es eine Versorgungsstruktur, in der alle wesentlichen Elemente vorhanden sind. Vorrangiges Ziel ist daher deren Vernetzung.