• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

Masar-I-Sharif In Afghanistan: Taliban greifen deutsches Konsulat an – sechs Tote

11.11.2016

Masar-I-Sharif Bei einem Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat im afghanischen Masar-i-Scharif sind am Donnerstagabend mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen und mehr als hundert verletzt worden. Nach Angaben von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kam es nach der Detonation einer Bombe zu Gefechten auf dem Gelände und im Gebäude des Konsulats. Afghanischen und deutschen Soldaten sowie weiteren Einsatzkräften der Nato-Mission „Resolute Support“ sei es schließlich gelungen, die schwerbewaffneten Terroristen zurückzuschlagen.

Das deutsche Konsulatspersonal blieb nach Steinmeiers Angaben unverletzt. „Mein tief empfundenes Beileid ist bei den Angehörigen der Opfer“, fügte er hinzu. Im Auswärtigen Amt tage weiter ein Krisenstab, der die „notwendigen Maßnahmen“ vor Ort koordiniere, erklärte der Minister am Vormittag. Zu dem Angriff haben sich Medienberichten zufolge die Taliban bekannt.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl forderte nach dem Anschlag von der Bundesregierung, die Pläne zur Abschiebung von Afghanen zu stoppen. „Afghanistan ist nicht sicher. Wer abschiebt gefährdet Menschenleben“, sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt. Überall könnten die Taliban zuschlagen. Mehr als 3.500 verletzte und 1.600 tote Zivilisten im ersten Halbjahr 2016 sprächen eine deutliche Sprache. In 31 von 34 Provinzen finden laut Burkhart Kampfhandlungen statt. Der Anschlag müsse die deutsche Öffentlichkeit wachrütteln.

Anfang Oktober hatten die EU und Afghanistan ein Rücknahmeabkommen vereinbart, das die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber vereinfachen soll. In den vergangenen Jahren hatte es einen faktischen Abschiebestopp für Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland gegeben.

Es gebe in dem Land keine Gebiete, die auf Dauer sicher seien, betonte Burkhardt. Trotz verschärfter Lage am Hindukusch sei jedoch die Anerkennungsquote für afghanische Asylbewerber in Deutschland von etwa 80 Prozent im Jahr 2015 auf nunmehr unter 50 Prozent gesunken. Asylanträge von mehr als 10.000 Afghanen seien in diesem Jahr bereits abgelehnt worden - „und auf Ablehnungen sollen Abschiebungen folgen“.

In den vergangenen Monaten haben die Angriffe der Taliban am Hindukusch wieder deutlich zugenommen. So stürmten die Extremisten Anfang Oktober die Stadt Kundus, wo die Bundeswehr jahrelang ein Feldlager unterhielt. Erst nach mehreren Tagen gelang es der afghanischen Armee - unterstützt von der US-Luftwaffe -, die strategisch wichtige Metropole wieder zurückzugewinnen.

Auch in der Hauptstadt Kabul, die lange Zeit als relativ sicher galt, häufen sich Terrorattentate und Entführungen. Bei einem Anschlag auf die Amerikanische Universität im August kamen wenigstens 13 Menschen ums Leben. Im September wurden bei einem Attentat auf das afghanische Verteidigungsministerium mindestens 41 Menschen getötet. Im Oktober kamen bei einer Explosion vor einer schiitischen Moschee in Kabul 18 Afghanen ums Leben.

Die prekäre Sicherheitslage in vielen Provinzen drängt Menschen in die Hauptstadt, wo etliche provisorische Flüchtlingslager entstanden sind. Zu den internen Flüchtlingen kommen auch Tausende Afghanen, die aus dem Nachbarland Pakistan abgeschoben werden, ohne dass die afghanische Regierung in der Lage ist, diesen Menschen Unterkunft und Hilfe zur Verfügung zu stellen.

In der Taliban-Erklärung von Sprecher Sabihullah Mudschahid hieß es, der Angriff sei Vergeltung für Luftangriffe in der nordafghanischen Stadt Kundus. Bei einem US-Luftangriff auf radikalislamische Taliban in der nordafghanischen Provinz Kundus waren in der Nacht des 3. November 2016 auch rund 30 Zivilisten getötet worden. Darunter waren viele Kinder und Frauen. Mehr als 25 Menschen wurden zudem verletzt. Der Vorfall löste international Empörung aus; in Kundus selbst gab es emotionale Demonstrationen.

Amerikanische und afghanische Bodentruppen führten damals eine Offensive gegen die Taliban in Kundus. Mit dem Luftangriff wollten die USA einer unter Beschuss geratenen Einheit zur Hilfe eilen. Das bestätigte der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, General Charles Cleveland, der Deutschen Presse-Agentur per E-Mail. In jener Nacht meldeten die US-Streitkräfte auch den Tod zweier US-Soldaten.

Bei dem Einsatz wurden nach unterschiedlichen Angaben 14 bis 30 Talibankämpfer getötet. Unter ihnen soll der Einsatzleiter der Taliban für Kundus gewesen sein, Mullah Taki.

Die Bundeswehr war nach Angaben des Verteidigungsministeriums nicht an dem Angriff beteiligt. Er sei „nicht im Rahmen der Operation Resolute Support“ erfolgt, an der sich die Bundeswehr beteilige.

Die USA haben bis zum Herbst 2016 laut Medien um die 700 Luftangriffe auf Stellungen der Taliban sowie der Terrormiliz IS geflogen. Luftschläge sind vielerorts das einzige Mittel, die Islamisten zurückzuhalten. Es gibt zunehmend Berichte über zivile Opfer.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.