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NWZonline.de Nachrichten Politik

„taz“ scheut Pädophilie-Debatte

21.08.2013

Berlin Zensur oder journalistisch korrektes Handeln? Die Entscheidung der Chefredaktion der „Tageszeitung“ (taz), einen kritischen Artikel über Pädophilie bei den Grünen aus dem Blatt zu kegeln, sorgt jedenfalls für medialen Wirbel – besonders im Netz. taz-Chefredakteurin Ines Pohl gibt dazu „keine öffentliche Stellungnahme ab“, lautet die Antwort aus der Chefredaktion auf die Bitte nach einem Interview zum Vorgang. Es handele sich um eine „innerredaktionelle Entscheidung“, die von Ines Pohl „selbst getroffen“ wurde. Es werde auch in Zukunft Grünen-kritische Artikel in der Tageszeitung geben, heißt es weiter.

Ein ungewöhnlicher Vorgang, der letzten Donnerstag seinen Ausgang nahm. Da beschloss Pohl, einen fertigen Artikel nicht zu drucken. „Das gehört zu den unangenehmen Aufgaben einer Chefredakteurin“, heißt es jetzt. Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass zuvor der taz-Justiziar keine Einwände erhoben habe. Ob Pohl wegen falscher Tatsachenbehauptung oder wegen falscher Kausalzusammenhänge, ein Totschlagargument für nahezu alle Streitfälle, den Text einkassierte, bleibt unklar.

Seitdem quillt das Netz über zum Thema Zensur bei der grün-alternativen taz. Auch ungedruckt, verbreitet sich der Artikel („Befreites Menschenmaterial“) von Autor Christian Füller rasend schnell in Online-Foren und Blogs. Kernthese: „Pädophilie war in der grünen Ideologie angelegt“. Füller gehört dabei zu den Experten in Deutschland. Der 49-Jährige hat ein Buch über den Missbrauch von Kindern an der Odenwald-Schule geschrieben. Titel: „Sündenfall“.

Diesmal also die Grünen. Tiefgreifend analysiert Füller dazu historische Thesen, Beschlüsse und Programme der Grünen, besonders aus den Anfangsjahren. Damals versammelten sich unter dem Dach der neuen Bewegung eine unglaublich bunte Schar ideologisch Überzeugter. „Was wir brauchen, ist eine Gesellschaft, in der Menschen jeden Geschlechts und jeden Alters und jedweder Zahl sich lieben“, zitiert Füller beispielsweise aus einer Schrift der grünen AG „Schwule und Päderasten“.

Natürlich führt der Autor auch den heutigen EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit mit dessen Buch aus den 80er Jahren an. Darin beschreibt Cohn-Bendit – angeblich eine Fiktion – wie er sich im Kindergarten von kleinen Kindern die Hose öffnen und streicheln lässt. Scharf kritisiert Füller, dass die Grünen sich bis heute weigern, eine Anlaufstelle für Missbrauchs-Opfer grüner Täter einzurichten. Namentlich greift der Autor Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin an. „Empathie gibt es bei den Grünen nur für die Opfer der anderen“, klagt Füller – der zugleich auf die Aufarbeitung bei der katholischen Kirche hinweist, die „gründlich und besser“ Licht in das Missbrauchs-Thema bringe. „Denn anders als Erzbischof Zollitsch“, so schreibt der Journalist, weigere sich „der grüne Bischof Trittin standhaft“, etwas für Opfer zu tun. Tatsächlich sei jedoch in der Geschichte der Grünen „Pädophilie keine Nebensache“ gewesen, „sondern in der Ideologie angelegt“ – unter dem Stichwort: „Selbstbestimmte Sexualität“.

Füllers Fazit: „Die Grünen befinden sich inmitten ihrer moralischen und programmatischen Kernschmelze. Nur dass es kein krachender Super-GAU ist, sondern eine kalte, fortschreitende Implosion“. Ein zu hartes Urteil in der Grünen-nahen taz?

Gunars Reichenbachs
Chefkorrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

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Odenwald-Schule | EU | Kindergarten

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