TEHERAN - Auch neue Gewaltandrohungen der mächtigen Revolutionsgarden haben die Proteste der iranischen Opposition gegen das Mullah-Regime nicht ersticken können. Nach Augenzeugenberichten trotzten am Montag rund 1000 Oppositionelle dem staatlich verhängten Demonstrationsverbot. Berichte, wonach Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen seien, ließen sich wegen des Berichterstattungsverbotes nicht bestätigen.
Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi und seine Gefolgsleute hatten für Montag bewusst nicht zu Demonstrationen aufgerufen, grundsätzlich aber zur Fortsetzung der Proteste aufgefordert.
Verwirrung hatten Meldungen staatlicher Fernsehsender ausgelöst. Danach soll der Wächterrat zu der Auffassung gekommen sein, dass es in 50 Städten zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, von denen drei Millionen Stimmen betroffen sind. Ein Sprecher des mächtigen Gremiums widersprach dieser Darstellung.
Die Anzeichen für einen Machtkampf in der iranischen Führungselite hinter den Kulissen verdichteten sich. Die arabische Zeitung „Al-Sharq Al-Awsat“ berichtete unter Berufung auf „hochrangige“ Informanten, der frühere Präsident Ali Akbar Rafsandschani führe seit Tagen in der Stadt Qom, dem religiösen Zentrum des Landes, intensive Gespräche mit einflussreichen Geistlichen.
Angesichts anhaltender Kritik aus dem Westen am Vorgehen Teherans nach der Wiederwahl Ahmadinedschads erwägt der Iran die Ausweisung europäischer Diplomaten.
