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NWZonline.de Nachrichten Politik

Auschwitz-Gedenken: Mit der Luftwaffe zur Kanzlerin

22.01.2020

Tel Aviv /Essen Es soll ein starkes Zeichen dafür sein, wofür Deutschland und die Bundeswehr heute stehen. Die Luftwaffe hat am Dienstag den Holocaust-Überlebenden Naftali Fürst (87) aus Tel Aviv nach Deutschland geflogen. Sein Ziel: Eine Ausstellung mit Porträtfotos Überlebender, die er zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Essen eröffnete. „Das ist unglaublich. Der kleine Junge vom Todesmarsch nun in einer deutschen Militärmaschine auf dem Weg zur Kanzlerin“, sagte Fürst auf dem Flug nach Düsseldorf.

Bekanntes Foto

Den ersten Gästen der Ausstellung schilderte er später: „Ich erinnere mich an die Häftlinge, die auf dem Todesmarsch zusammengebrochen sind und von der SS erschossen wurden.“ Er fühle „die heilige Pflicht, die Erinnerung an die Schoah zu bewahren“.

„Diese symbolische Reise mit einem Flugzeug der Luftwaffe, das bedeutet uns unendlich viel, dass sie diese Reise auf sich genommen haben“, sagte Merkel. „Wir, die wir später geboren sind, stehen vor diesen Verbrechen und sind fassungslos.“ Und: „Niemand kann das Leid wirklich ermessen, außer den Menschen, die in diese Hölle gestoßen wurden.“

Lange seien Erinnerungen und Gefühle tief in seiner Seele begraben gewesen, hat Fürst mal geschrieben. Ein bekanntes Foto, aufgenommen am 16. April 1945, zeigt ihn auf dem Bauch liegend in der dritten Etage einer Pritsche im Konzentrationslager Buchenwald, das Kinn abgestützt, aber mit konzentriertem Blick. Vorher war er im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und zwei weiteren Lagern inhaftiert.

„Ich bin als Vertreter derer unterwegs, die nicht sprechen können – weil sie ermordet wurden oder zu alt sind. Es ist, als stände ich nun allein auf dem Gipfel“, sagte Fürst im Flugzeug. „Aber auch wenn es traurig ist, erzähle ich es immer ein wenig mit Humor.“ Er nehme auch wahr, dass es in Deutschland viele Menschen gebe, die gegen das Vergessen arbeiten.

Die Ausstellung in Essen ist dazu ein Beitrag. Zu sehen sind Fotografien von Martin Schoeller, der 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz-Birkenau 75 Holocaust-Überlebende in Israel porträtiert hat. „Survivors. Faces of Life after the Holocaust“, lautet der Titel (Überlebende: Gesichter des Lebens nach dem Holocaust). Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung für Kunst und Kultur Bonn mit der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und soll weltweit gezeigt werden.

„Jede der Fotografien sagt mehr, als es Worte je vermögen“, sagte Kai Diekmann, Vorsitzender des Deutschen Freundeskreises von Yad Vashem. „Jeder der von nahem und überlebensgroß gezeigten Gesichtszüge trägt ein Stück persönlicher und kollektiver Geschichte in sich. Die Furchen der Gesichter sind Zeichen des durchlebten Grauens und zugleich des Triumphs, sich ein neues Leben aufgebaut zu haben.“

Um kurz nach 8 Uhr (Ortszeit) war der Luftwaffen-Airbus A 319 auf dem Flughafen Ben Gurion losgerollt. „Dies ist unser Beitrag zu der ganz besonderen Verantwortung, die Deutschland gegenüber Israel hat“, erklärte der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Peter Tauber (CDU), zu dem Flug.

Sichtbares Zeichen

Es ist Naftali Fürst ein Anliegen, die Geschichte seines Lebens und Überlebens vor einem möglichen Vergessen zu bewahren. An Bord der Regierungsmaschine mit dabei waren auch seine Tochter Ronit und zwei Enkel. Sie sind für ihn sichtbares Zeichen dafür, dass die Geschichte des jüdischen Volkes weitergeht, wie er am Dienstag sagte.

Naftali Fürst wurde 1932 in Bratislava geboren. Nach dem Krieg wanderte er 1949 nach Israel aus und arbeitete zunächst als Tischler in einem Kibbutz. Dann lernte er das Fotografenhandwerk, gründete aber mehrere Fahrschulen. Zuletzt hatte er einen Großhandel für Medikamente in Israel. „Ich habe kein Geld aus den Wiedergutmachungen aus Deutschland angenommen. Gar nichts. Das kann man nicht mit Geld gutmachen“, erzählte Naftali Fürst.

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