TEL AVIV/GAZA/RAMALLAH - Israel und die im Gazastreifen herrschende Hamas-Organisation haben unter deutscher Vermittlung einen ersten Schritt auf dem Weg zu einem umfassenden Gefangenenaustausch gemacht. Die Hamas übergab am Freitag ein Video mit einem Lebenszeichen des im Juni 2006 entführten Soldaten Gilad Schalit. Israel ließ im Austausch 19 Palästinenserinnen frei.
Der hochrangige Hamas-Führer Ismail Hanijah bezeichnete die Freilassung der Frauen in Gaza als „Triumph des Widerstandes“.
Der israelische Fernsehsender Channel 10 zitierte einen Regierungsbeamten, wonach der 23 Jahre alte Schalit auf dem Video gesund und in gutem Zustand erscheine. Der Soldat halte eine Zeitung vom 14. September in der Hand. Das Video ist nach israelischen Angaben länger als zwei Minuten. Der Fernsehsender Channel 1 berichtete, Schalit sei auf dem Video frisch rasiert und mit frisch geschnittenen Haaren zu sehen. Er trage Zivilkleidung und spreche entspannt und ohne Angst direkt in die Kamera. Mit seiner Botschaft wende er sich an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie seine Eltern Aviva und Noam Schalit. Die Familie des Entführten will später in Abstimmung mit der Regierung entscheiden, ob das Video veröffentlich wird.
Israel hatte als Voraussetzung für Verhandlungen mit der Hamas ein Lebenszeichen des entführten Soldaten verlangt. Der letzte von insgesamt nur drei Briefen des Entführten stammt vom Juni 2008. Die Hamas fordert, dass Israel als Gegenleistung für die Freilassung Schalits 1000 palästinensische Gefangene in die Freiheit entlässt.
Der Austausch ist offenbar von einem deutschen Vermittler eingefädelt worden. Die „Jerusalem Post“ berichtete am Donnerstag von einem Vermittlungsteam unter Leitung des BND-Präsidenten Ernst Uhrlau.
