Berlin - Kein roter Teppich, keine kreischenden Fans, kein Blitzlichtgewitter diesmal und auch kein steifes und strenges Protokoll. Draußen vor dem Tor warten ein paar Fotografen und Kamerateams, erhaschen nur ein paar Bilder aus der Ferne. Drinnen vor dem Seitenportal des Kanzleramtes steigen gerade Hollywood-Star George Clooney und seine Frau Amal aus einer dunklen Limousine.
Der Filmstar und seine Gattin, die international tätige Menschenrechtsanwältin, die sich beide seit Jahren politisch engagieren, sind auf dem Weg zur mächtigsten Frau der Welt, zur „Person des Jahres“, zu der sie das US-Magazin Time im vergangenen Jahr gekürt hatte. Es ist kurz nach 9 Uhr, als der Plausch beginnt. Eine Stunde lang geht es bei Wasser und Kaffee vor allem um Merkels Flüchtlingspolitik, die der Schauspieler, anlässlich der Berliner Filmfestspiele in der Hauptstadt zu Gast, bereits tags zuvor vor der Presse gelobt hatte. „Ich bin absolut einverstanden damit“, hatte Clooney erklärt und angekündigt, sich mit Merkel treffen und auch ein Flüchtlingswohnheim besuchen zu wollen. Es gehe darum, „was wir tun können, um zu helfen“.
Der Filmstar zu Besuch im Berliner Kanzleramt, Hollywood auf Merkels Sofa in ihrem Büro hoch über dem Tiergarten – etwas Glanz in schwierigen Zeiten, mit dem sich die Regierungschefin gern schmücken will. Keine Presse, nur ein offizieller Fotograf des Bundespresseamtes. Regierungssprecher Steffen Seibert verbreitet ein Foto per Twitter. „Ein sehr gutes Gespräch“ sei es gewesen, verrät Merkel später. Es sei um Fragen der Flüchtlingspolitik und internationale Konflikte gegangen, man habe sich ausgetauscht, heißt es knapp.
Begleitet werden die Clooneys an diesem sonnigen Morgen von David Miliband, dem früheren britischen Außenminister, dem Präsidenten des International Rescue Communities, das sich für Menschenrechte und Flüchtlinge, etwa im Sudan engagiert, Hilfe in Krisengebieten leistet – und dabei auf die Unterstützung des prominenten Ehepaars bauen kann.
Die Kanzlerin und das Showbusiness – es ist bei Weitem nicht die erste Begegnung mit der Welt der Stars und Sternchen. Doch nicht Clooney, sondern ein anderer Hollywood-Star steht in der Gunst der Kanzlerin ganz oben: Robert Redford. Bei ihm, den sie einmal auf einer USA-Reise getroffen hat, schmelze sie dahin, gestand Merkel einst zu Beginn ihrer politischen Karriere.
