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NWZonline.de Region

„Es kann jederzeit Tote geben“

15.11.2017
Frage: Es gibt Spekulationen, dass die drei gesuchten RAF-Terroristen Daniela Klette, Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub sich im Mittelmeerraum aufhalten. Halten Sie das für möglich?
Hunger: Ja, möglich ist das schon. Das ist ja auch schon vor Monaten gemeldet worden. Aber wie bei allen anderen Versuchen der Polizei hatte das keinen Erfolg bei der Suche nach den Dreien. Es gab ja ähnliche Hinweise, zum Beispiel auf die Niederlande. Ein Teil einer niederländischen Zeitungsseite, ein in der Nähe der niederländischen Grenze abgeschaltetes Mobiltelefon – die drei können in Europa frei reisen, so wie jeder andere. Es spricht einiges dafür, dass sie das auch tun. Aber es spricht auch einiges dagegen, wenn man sich die Tatorte anschaut.
Frage: Die Tatorte bei den Überfällen liegen in Nord- und Westdeutschland. Haben die drei immer noch Verbindungen nach Norddeutschland?
Hunger: Das ist eine interessante Frage. Es wird immer gesagt, dass sie hochprofessionell sind. Nur weil die Polizei sie nicht gefasst hat, heißt das nicht, dass sie professionell agieren. In Südniedersachsen in kurzer Zeit so viele Taten zu begehen, das ist kein Zeichen für besondere Professionalität. Aber es erleichtert den Tätern die Ausspähung der Tatorte. Das ist eine Frage der Zeitersparnis und der Anreise. Für die Polizei ist das eine wunderbare Vorlage. Deswegen wundert es mich umso mehr, dass die Polizei sie noch nicht gefasst hat. Immerhin verfügen die drei über Kriegswaffen, und sie verwenden sie auch. Es kann jederzeit Tote geben, beim nächsten Überfall und bei einer Festnahme.
Frage: Werden die Drei angesichts des Fahndungsdrucks weitere Straftaten begehen?
Hunger: Es wird in diesem Fall viel mit unbegründeten Annahmen operiert. Das führt nicht weiter. Was wir bisher wissen, ist, dass sie sich auf Norddeutschland beschränkt haben mit ihren Taten. Sie haben hier also eine oder mehrere Basen. Sie haben hier auch, was Experten „Ankerpunkte“ nennen, Staub und Garweg etwa Hamburg als Ort, wo sie aufgewachsen und in die linke Szene eingestiegen sind. Fahndungsdruck hat sie in der Vergangenheit nicht von Taten abgehalten. Das ist verständlich, wenn man den Aufwand bedenkt, den sie bei der Vorbereitung betreiben.
Frage: Spricht nicht gegen den Schusswaffeneinsatz, dass sie mehrfach von ihrem Vorhaben abließen und ohne Beute flüchteten?
Hunger: Nein, das spricht nicht dagegen. Sie bleiben zwar nur wenige Minuten am Tatort und geben auf, wenn sie nicht vorankommen. Nicht jeder Täter ist so diszipliniert. In dem Punkt könnte man das als professionell bezeichnen. Aber sie haben schon mehrfach geschossen, sinnlos und damit den möglichen Tod eines Geldboten in Kauf genommen. Übel und gefährlich, wie man in Hamburg sagt. Das ist so ähnlich wie beim rechtsterroristischen NSU. Die waren auch nur in Teilen professionell, haben Spuren vermieden bei den Mordanschlägen. Aber bei den meisten Überfällen haben sie sich nicht mal aus ihrem Wohnort herausbemüht. Erst beim letzten Überfall hat ein Polizist die richtigen Schlüsse gezogen und sie – mit ein bisschen Glück – sofort geschnappt. So wünsche ich mir das hier auch.
Frage: Werden die Drei jemals gefasst?
Hunger: Es ist möglich, dass sie gar nicht gefasst werden. Wir wissen aber nicht, wo sie leben und wie viel Geld sie haben. Ich halte sie für halbwegs vernünftig und glaube, dass die sich Gedanken über ihre Alterssicherung machen. Mit Mitte 70 funktioniert das mit den Überfällen nicht mehr. Deshalb gibt es einen gewissen Druck, das hohe Risiko weiterer Überfälle einzugehen.

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