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NWZonline.de Nachrichten Politik

Tod im Ferienparadies

16.07.2017

Hurghada Nach dem tödlichen Angriff auf zwei deutsche Frauen in Hurghada ist das Leben am Strand des Hotels „Zahabia“ zurück. Kinder mit Schwimmreifen freuen sich auf das türkisblaue Wasser, aus dem am Freitag ein Mann mit einem Messer stieg.

Mit welcher Motivation der festgenommene Mann - Berichten zufolge soll er 28 Jahre alt sein und aus Nordägypten stammen - die Tat beging, ist noch immer unklar. Doch nach Informationen, die aus Sicherheitskreisen in Kairo verlauten, soll der Messerstecher von der Terrormilz Islamischer Staat (IS) beauftragt worden sein.

Es war etwa 13.00 Uhr, als Urlauberin Alice Matthiesen Schreie vom Strand gegenüber hörte. Männer auf einem Schiff hätten gebrüllt. „Der eine schlug mit einem weißen stockartigen Ding auf jemanden im Wasser ein“, schildert die Urlauberin im ägyptischen Badeort Hurghada ihre Eindrücke auf Facebook. Später bestätigt sie der Deutschen Presse-Agentur den Ablauf noch einmal. Matthiesen beobachtete offenbar das Ende der Gewalttat.

Wenige Minuten zuvor hatte ein Mann schwimmend Kurs auf den Hotelstrand genommen. Bei Temperaturen an die 40 Grad war er nur einer von vielen im Wasser. Doch als er den Strand betrat, wurde klar, dass der Schwimmer sich hier nicht entspannen wollte.

Er hatte ein Messer dabei, das er kurz nach seiner Ankunft am Morgen in Hurghada gekauft hatte. Einem Bericht der Zeitung „Al-Shorouk“ zufolge soll er die Frauen aus Niedersachsen auf Deutsch angesprochen und in ein Gespräch verwickelt haben. Dann stach er zu.

Nach der Tat sei der Messerstecher dann schwimmend geflohen, schildert Khaled Taha, der Leiter des Nachbarhotels „El Palacio“. Sicherheitsleute des Hotels hätten ihn überwältigt und gefesselt. „Es schien so, als sei der Typ geistig verwirrt gewesen“, sagt Taha.

Auch wenn viele Menschen in Hurghada eine Gewalttat aus persönlichen Gründen für möglich halten, verdichten sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Nach der Festnahme soll sich der 28-Jährige Uni-Absolvent, der aus dem Nildelta im Norden des Landes stammen soll, in Vernehmungen auf die islamische Rechtssprechung, die Scharia, berufen haben. Er offenbare die Ideologie der IS-Terrormiliz, berichtet die private ägyptische Zeitung „Al-Shorouk“

Offiziell bestätigt ist aber nicht, dass die beiden Deutschen Opfer eines Dschihadisten wurden. Peter-Jürgen Ely, der ehemalige deutsche Honorarkonsul Hurghadas, kannte die Frauen schon seit Jahren. Die 56- und die 65-Jährige stammten aus der Nähe von Peine und seien immer wieder in das Taucherparadies am Roten Meer gekommen, um hier zeitweise zu leben. Beide hätten auch an den Treffen der deutschen Gemeinde vor Ort teilgenommen. Eine gemeinsame Bekannte habe die Opfer nach der Tat identifiziert, sagt Ely.

Wenn die Frauen nun Opfer eines Dschihadisten wurden, ist es nur das jüngste Kapitel im vom Terror geplagten Ägypten: Seit Dezember wurden bei mehreren Selbstmordanschlägen und Angriffen auf die christliche Minderheit im Land mehr als 100 Menschen getötet. Das schwerste Attentat gegen Urlauber war ein Bombenanschlag auf einen russischen Ferienflieger im Herbst 2015. Alle 224 Menschen an Bord starben kurz nach dem Start im Badeort Scharm el Scheich.

Die schweren Anschläge beanspruchte dabei stets ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich. Die Dschihadisten operieren im Norden der unruhigen Sinai-Halbinsel - einem militärischen Sperrgebiet, in dem sich die ägyptische Armee immer wieder heftige Gefechte mit den Extremisten liefert. Diese versuchen, das Land mit allen möglichen Mitteln zu destabilisieren.

Der Staatliche Informationsdienst Ägyptens hob dabei hervor, dass die Gewalt gegen Touristen in Ägypten in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sei. Tatsächlich galten die Urlaubsgebiete am Roten Meer bis jetzt als weitgehend sicher. Was nichts daran änderte, dass nach dem Flugzeugabsturz 2015 Tausende Hotelzimmer leer standen, was der ohnehin kriselnden Wirtschaft des Landes empfindlich schadete. Jeder neunte Job in Ägypten ist direkt oder indirekt von Urlaubern abhängig.

Zuletzt jedoch ging es vor allem mit den deutschen Urlaubern wieder bergauf. Reiseveranstalter bezeichneten Ägypten schon als das Trendziel für den Winter. Für Hurghada, seine Hotels, Restaurants und Bars ist der Tod der Deutschen nicht nur eine menschliche Tragödie, sondern wohl auch eine wirtschaftliche Katastrophe.

„Was immer da genau passiert ist, ist natürlich wieder ein herber Schlag gegen den sich gerade wieder erholenden Tourismus in Hurghada“, sagt Marcel Lauck, der mit der „Caribbean Bar“ eine der auch unter Deutschen beliebtesten Gaststätten betreibt.

Es tue ihm wahnsinnig Leid für die Angehörigen der Opfer, sagt er. Aber er bittet auch um Verständnis: Überall auf der Welt gebe es Verrückte, die irgendwann ausrasteten. „Dieses Mal leider in Ägypten.“

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