Ganderkesee/Dötlingen - Unendliche Trauer auf der einen Seite – große Freude darüber, einen so besonderen Menschen gehabt zu haben, auf der anderen: Die Trauerfeier für Nelson Mandela im Fußballstadion von Johannesburg verfolgte Nepal Lodh wie viele andere am Fernseher. Doch die Bilder und Worte – ganz besonders die emotionale Rede von US-Präsident Barack Obama – rührten den Dötlinger, der an der regioVHS Ganderkesee-Hude tätig war, auf eine besondere Weise.

Der Sozialwissenschaftler, Yogameister und Hochschuldozent für interkulturelle Kommunikation war Mandela 1999 beim dritten „Parlament der Weltreligionen“ in Kapstadt begegnet. Er selbst war als einer von 400 Delegierten aus aller Welt entsandt worden, um über den Hinduismus zu referieren. Die Begrüßung der Delegierten hatte Nelson Mandela übernommen – eines der beiden großen Vorbilder Lodhs.

Das andere: Mahatma Gandhi. Ihm war Lodh als Vierjähriger in seinem Heimatort nahe Kalkutta begegnet. „Er hat mir im Vorbeigehen über den Kopf gestrichen“, berichtet der heute 70-Jährige, der seit 1964 in Deutschland lebt.

Eine Reminiszenz an den indischen Friedensaktivisten sorgte wiederum beim „Parlament der Weltreligionen“ dafür, dass Nelson Mandela Nepal Lodh auf dem Weg zur Bühne ansprach. „Er sah meine Mütze und fühlte sich an Gandhi erinnert“, berichtet Lodh. Die Kopfbedeckung, die der Dötlinger fast immer trägt, zeigt die Namaste-Geste – jene gefalteten Hände, die so etwas bedeuten wie „Ich grüße das Positive/das Göttliche in dir“.

Er habe Mandela dann in einigen Sätzen von der kurzen Begegnung mit Gandhi und seiner Verehrung für ihn berichtet, erzählt Lodh. Mandela selbst wurde noch am selben Tag von einer Enkelin Mahatma Gandhis als „Gandhi Südafrikas“ ausgezeichnet.

Und noch etwas verbindet Lodh mit dem einstigen Präsidenten Südafrikas: Yoga. „Mandela berichtete, dass er während seiner Gefangenschaft Yoga praktizierte und meditierte, um seine politischen Ziele zu erreichen“, erzählt Lodh, der selbst Yoga-Lehrer ausbildet und Meditation unter anderem einsetzt, um Studenten ihre Prüfungsangst überwinden zu lassen.

„Ich war glücklich, Mandela zu begegnen“, beschreibt Lodh das Zusammentreffen. Er habe einen sehr gelassenen Mann mit einer großartigen Ausstrahlung erlebt, der sein Ego immer hinter sein Anliegen gestellt habe, erzählt der Dötlinger. Besonders beeindruckt habe ihn, dass Mandelas innere Freiheit dazu geführt habe, niemals Rachegedanken aufkeimen zu lassen.

Zum Programm des einwöchigen „Parlaments der Weltreligionen“ zählte auch ein Besuch der Delegierten auf Robben Island – jener Insel, auf der Mandela 27 Jahre lang inhaftiert war. Nepal Lodh wurde von einem Mitinsassen Mandelas durch die Haftanstalt geführt, in der sich sein Vorbild auf die Beendigung der Apartheid vorbereit hatte.

Dass Nelson Mandela trotz der widrigen Lebensumstände 95 Jahre alt geworden ist, ist nach Ansicht Nepal Lodhs dessen Einstellung – und wohl auch dem Yoga – zuzuschreiben. „Er sagte immer: Was gewesen ist, ist gewesen.“

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee