TRIPOLIS - Die NATO hat schwere Vorwürfe gegen die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi erhoben. Die Soldaten würden sich als Zivilisten verkleidet in der Nähe von Krankenhäusern verstecken, von Moscheedächern schießen und Frauen und Kinder als Schutzschilde missbrauchen, sagte der Kommandeur des Libyen-Einsatzes, General Charles Bouchard, dem kanadischen Fernsehsender CBC.

Nach Angaben der Rebellen sind beim Aufstand gegen das Gaddafi-Regime bisher 10 000 Menschen getötet worden.

Unterdessen hoffen UN-Hilfsorganisationen nach entsprechenden Zusicherungen aus Tripolis auf Zugang zu der seit Wochen belagerten Rebellenhochburg Misurata. In der Stadt wollen die Organisationen dann die humanitäre Lage einschätzen und dringend benötigte Hilfslieferungen auf den Weg bringen. Bislang kann die eingeschlossene Stadt nur über See erreicht werden.

Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) kann nun auch über Land von Tunesien aus Hilfe für die unter dem Bürgerkrieg leidenden Menschen im Westen Libyens geleistet werden.

Ein erster Konvoi aus acht Lastwagen mit 200 Tonnen Weizen und mehr als neun Tonnen energiereichen Keksen habe am Montag die tunesische Grenze in Richtung Westlibyen überquert. Die Nahrungsmittel sollen in Tripolis und anderen Städten verteilt werden, das umkämpfte Misurata ist allerdings nicht darunter. Mit der Lieferung könnten fast 50 000 Menschen einen Monat lang ernährt werden.

Nach libyschen Oppositionsangaben vom Dienstag wurden in den letzten zwei Tagen bei den Angriffen auf Misurata Dutzende Menschen getötet.

Im Hafen der Stadt sitzen immer noch mehr als 3000 afrikanische Gastarbeiter fest, die darauf warten, mit Schiffen internationaler Hilfsorganisationen in Sicherheit gebracht zu werden.