TRIPOLIS - Machthaber Muammar al-Gaddafi überlebte, einer seiner Söhne starb angeblich: Bei einem NATO-Luftangriff auf ein Haus in Tripolis ist nach libyschen Medienberichten Saif al-Arab al-Gaddafi getötet worden. Die NATO und ein US-Regierungsbeamter bestätigten den Tod des 29-Jährigen nicht. Umgehend verstärkten Gaddafi-treue Truppen die Angriffe auf die Rebellen. Zudem sei die britische Botschaft zerstört worden, hieß es. Die italienische Botschaft sei in Flammen aufgegangen, berichteten Zeugen.

Wie Libyens Regierungssprecher Mussa Ibrahim im Staatsfernsehen mitteilte, kamen auch drei Enkelkinder Gaddafis bei dem Angriff am späten Sonnabendabend ums Leben. Gaddafi und seine Frau hätten sich in dem Haus des Sohnes aufgehalten, seien aber unverletzt geblieben. Die NATO bestätigte einen Angriff auf ein „Kommando- und Kontroll-Gebäude“ im Stadtteil Bab al-Asisija in Tripolis. Alle NATO-Ziele seien militärischer Natur, sagte der Kommandeur des Einsatzes, General Charles Bouchard.

Unterdessen griffen regierungstreue Truppen erneut die Rebellen im Westen des Landes an. Kämpfe soll es rund um die Stadt Wazin nahe der Grenze zu Tunesien gegeben haben. Rund 60 Panzer rückten laut Augenzeugen am Abend auf das umkämpfte Misrata vor. In der libyschen Hauptstadt soll zudem die leerstehende britische Botschaft zerstört worden sein. Die BBC berichtete, auch UN-Gebäude wurden von aufgebrachten Massen angegriffen. Die Vereinten Nationen würden ihr Personal abziehen.

Ibrahim sprach von einem gezielten Angriff auf Muammar al-Gaddafi. Er verurteilte die Attacke als Verletzung internationalen Rechts. Auch Russland kritisierte die NATO-Luftschläge scharf. Der Tod von Familienangehörigen Gaddafis stehe im klaren Widerspruch zur Resolution des Weltsicherheitsrats.

Saif al-Arab Gaddafi soll in München studiert haben, wo er oft der Polizei auffiel – etwa wegen seines lauten Ferraris und Schlägereien in Diskos.