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NWZonline.de Nachrichten Politik

Trump auf den Spuren Barack Obamas

21.03.2017

US-Außenminister Rex Tillerson sprach auf seiner jüngsten Ostasien-Reise bemerkenswerte Worte: Er sehe das Ende der bisherigen „strategischen Geduld“ der USA mit Nordkorea. Denn: Die Politik der letzten 20 Jahre sei gescheitert, man erkunde nun eine neue Auswahl von Sicherheits- und politischen Maßnahmen. Auch die militärische Option liege auf dem Tisch, wenn das Waffenprogramm Nordkoreas dies erfordere. Bewusst unklar ließ Donald Trumps Chefdiplomat dabei, ob man nun sogar auch einen Präventivschlag ins Kalkül ziehe.

Wie ernst es dem neuen Präsidenten mit diesem Thema ist, sollte auch das Wochenende zeigen, das Donald Trump erneut in Florida verbracht hat. Er wurde zwar wiederum auf dem Golfplatz gesehen, doch soll er – so eine Verlautbarung des Weißen Hauses – auch an politischen Herausforderungen wie Nordkorea gearbeitet haben. Denn an Brisanz fehlt es nicht: US-Nordkorea-Experte Robert Litwak sieht nach den jüngsten Raketentests das Regime in Pjöngjang am Rande eines Durchbruchs, der es der kleinen Nation erlauben würde, nicht nur Japan und Südkorea, sondern auch den großen Feind USA mit einer nuklear bestückten Interkontinental-Rakete zu erreichen. Und schon in wenigen Jahren könnte Nordkorea bis zu 100 Atomsprengköpfe besitzen.

„Sehr böse“ sei das Regime, das seit Jahren mit den USA spiele, erklärte der Präsident. Er sieht sich mit einem drängenden Problem konfrontiert, das er nicht selbst geschaffen hat, sondern das ihm von Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama vererbt wurde.

Den Vorschlag Pekings, eine Annäherung an Pjöngjang zu versuchen, hat Tillerson auf seinem Trip zurückgewiesen. Und Sanktionen haben das Land bisher nicht beeindruckt. Thomas Friedman, der langjährige außenpolitische Experte der „New York Times“, sieht derzeit für den US-Präsidenten eigentlich nur schlechte Optionen: Ein Militärschlag riskiere – abseits von reinen Verteidigungsmaßnahmen wie der Stationierung des THAAD-Systems – einen zweiten Korea-Krieg mit über einer Million Opfer. Das Thema aussitzen? Das würde es Nordkorea erlauben, sich zu einer bedeutenden Atommacht mit globaler Reichweite zu entwickeln. Also bleibe Trump wohl oder übel nur das Verhandeln mithilfe der Chinesen. Als Blaupause könnte ausgerechnet der bei dem Republikaner so verhasste Iran-Atomdeal von Barack Obama dienen.

Obamas Kalkül lautet bei diesen Verträgen: Darauf zu hoffen, dass in den nächsten 15 Jahren, in denen Teheran sein militärisches Atomprogramm hoffentlich nicht fortsetzt, etwas derart Umwälzendes wie ein Umsturz im Land geschieht, das dann keine Vertragsverlängerung erforderlich wird. Friedman wie auch Litwak raten Trump zu einem ähnlichen Ansatz: Die nuklearen Kapazitäten Nordkoreas auf dem derzeitigen Stand einzufrieren und dafür Sanktionserleichterungen und Wirtschaftshilfen anzubieten. Kim Jong Un könne zudem so seine Macht zementieren.

Geht Trump diesen Weg? Seine markigen Worte klingen derzeit nicht danach. Doch realpolitisch dürfte ihm am Ende kaum ein anderer Weg bleiben.

Autor dieser Analyse ist Friedemann Diederichs. Der US-Experte lebt seit Jahren in den Vereinigten Staaten und ist Washington-Korrespondent dieser Zeitung.

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New York Times