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Häftlingsnummer P01135809 Trump nutzt Polizeifoto als Wahlkampfmunition

Grimmiger Blick: Donald Trump, nachdem er sich im Fulton County Jail in Atlanta gestellt hat.

Grimmiger Blick: Donald Trump, nachdem er sich im Fulton County Jail in Atlanta gestellt hat.

Uncredited/Fulton County Sheriff’s Office/AP/dpa

Atlanta - Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hat seinen Gefängnistermin im Staat Georgia und die Veröffentlichung eines geschichtsträchtigen Polizeifotos von ihm als neue Wahlkampfmunition genutzt. Noch am Donnerstagabend (Ortszeit) postete Trump das Bild, das ihn mit grimmiger Miene und hochgezogenen Augenbrauen zeigt, auf der ehemals als Twitter bekannten Online-Plattform X, die ihn nach dem Sturm seiner Anhänger aufs Kapitol am 6. Januar 2021 gesperrt hatte. Dazu schrieb er: „Wahleinmischung. Ergebt euch niemals!“. Dem Post fügte Trump einen Link zu seiner Webseite bei, der direkt zu einem Spendenaufruf führt.

Die Anklage in Georgia wegen versuchter Verfälschung des Resultats der Präsidentschaftswahl 2020 bezeichnete er zuvor als „Travestie der Justiz“ und sich selbst als Opfer einer „Wahleinmischung“, die ihn von einer Rückkehr ins Weiße Haus abhalten solle.

Häftlingsnummer: P01135809

Nach Atlanta, der Hauptstadt von Georgia, reiste Trump, um sich den Behörden zu stellen. Die zuständige Bezirksstaatsanwältin von Fulton County, Fani Willis, hatte ihm und den 18 Mitbeschuldigten in dem Fall bis zum heutigen Freitag dazu Zeit gegeben.

Nach seiner Ankunft im Gefängnis wurden zunächst Trumps Personalien aufgenommen, zudem bekam der frühere Präsident eine Häftlingsnummer: P01135809. Die Behörden schossen außerdem ein Polizeifoto von dem 77-Jährigen, das das Sheriffbüro später publik machte. Der Vorgang markiert ein weiteres Novum in der Polit-Karriere des Republikaners, der einst als Immobilienmogul und Entertainer von sich reden machte: Bisher hat es ein derartiges Bild von einem Ex-Präsidenten in der US-Geschichte noch nicht gegeben. Bei den anderen drei Strafverfahren gegen Trump in New York, Washington und Miami hatten die Behörden auf ein Polizeifoto verzichtet. Der Sheriff in Fulton County hatte jedoch im Vorfeld erklärt, Trump werde behandelt wie jeder andere Angeklagte auch. Und dazu gehöre die Anfertigung eines Polizeifotos.

Kaution hinterlegt

Nach Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 200.000 Dollar (rund 185.000 Euro) durfte Trump das Gefängnis nach fast 20 Minuten wieder verlassen. Noch während seiner Rückreise nach New Jersey nutzte sein Wahlkampfteam das Polizeifoto, um über eine Kampagnen-Webseite für Spenden zu werben. „Dieser „Mugshot“ (dt. Polizeifoto) wird für immer als Symbol von Amerikas Widerstand gegen Tyrannei in die Geschichte eingehen“, hieß es in einer E-Mail von Trumps Team an potenzielle Geldgeber.

Der Mugshot veranlasste Trump offenbar auch zu einer Rückkehr zur Plattform X, die er einst als politisches Sprachrohr genutzt hatte, als sie noch Twitter hieß. Sein letzter Post stammte vom 8. Januar 2021. Danach hatten Twitter und auch Facebook ihn wegen Anstachelung zur Gewalt vor dem Sturm seiner Anhänger aufs Kapitol in Washington am 6. Januar jenes Jahres ausgeschlossen.

Im November 2022 wurde sein Konto nach der Übernahme von Twitter durch Tech-Milliardär Elon Musk wieder freigeschaltet. Trump hatte damals erklärt, nicht zum Kurznachrichtendienst zurückkehren zu wollen. Er bleibe lieber bei seinem eigenen Netzwerk Truth Social, das er als Konkurrenz zu den etablierten sozialen Medien gegründet hat, betonte er damals. Schon im März war Trump mit den Worten „I’M BACK!“ zu Facebook zurückgekehrt, nachdem sein persönlicher Account dort wieder freigegeben worden war. Auf X hat Trump aktuell rund 86,6 Millionen Follower - weit mehr als seine Rivalen um die Nominierung der republikanischen Partei fürs Weiße Haus 2024. Das Kandidatenfeld führt er in parteiinternen Umfragen mit großem Vorsprung an.

Vier Mal angeklagt

Seit März ist Trump vier Mal angeklagt worden - und damit der erste Ex-Präsident in der US-Geschichte, der sich Strafverfahren stellen muss. In New York geht es im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar und ein Playmate um Vorwürfe der Verstöße gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung. In Washington wird ihm versuchte Einflussnahme auf das Ergebnis der US-Wahl 2020 auf Bundesebene zur Last gelegt. Der Fall in Miami dreht sich um die illegale Mitnahme teils streng geheimer Regierungsdokumente aus seiner Zeit im Weißen Haus in sein Privatanwesen Mar-a-Lago in Florida.

Es könnte sein, dass Trump wieder nach Atlanta zurückkehren muss. Im Bezirk Fulton County, zu dem die Hauptstadt Georgias gehört, ist es üblich, dass die Anklageverlesungen vor Gericht zu einem späteren Zeitpunkt auf einen Gefängnistermin eines Beschuldigten folgen. Doch hat das Sheriffbüro mitgeteilt, dass einige Gerichtstermine in dem Fall auch virtuell stattfinden könnten, sofern der Richter dies zulasse.

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