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NWZonline.de Nachrichten Politik

Analyse Zur US-Wahl: Trump muss gehen, doch der „Trumpismus“ bleibt

08.11.2020

Washington Joe Biden wird der 46. Präsident der USA, und Donald Trump muss am 20. Januar 2021 das Weiße Haus räumen. Doch geht mit ihm auch das, was Experten als „Trumpismus“ bezeichnen – jene Bewegung, die ihn 2016 ins Amt beförderte und ihm nun mit Kreuzchen von 70 Millionen Bürgern einen Stimmenanteil beschwerte, der in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaftswahlen nur vom Sieger Biden übertroffen wurde?

Donald Trump dürfte auch nach seinem Ausscheiden noch erheblichen Einfluss auf die Republikaner und seine Anhänger haben. Denn eines muss man ihm trotz aller persönlichen Defizite lassen: Seine Kandidatur half Amerikas Konservativen, ihre wenn auch knappe Mehrheit im Senat aller Voraussicht nach zu bewahren. Im Repräsentantenhaus gab es sogar entgegen der Prognosen der meisten Demoskopen Zugewinne an Sitzen. Im Supreme Court stellte Trump eine konservative Richter-Mehrheit sicher. Und das hat zur Folge, was das „Wall Street Journal“ am Samstag so formulierte: „Er hat das Land vor einer radikalen linken Agenda bewahrt.“

Knappe Entscheidung in einigen Staaten

Bestätigen dürfte die Fans von Trump auch, dass die Entscheidung nun in Bundesstaaten wie Pennsylvania, Arizona, Georgia und Nevada denkbar knapp ausfiel und Trump beispielsweise Florida, Texas und Ohio erstaunlich klar gewann. Wer jetzt mit Wählern des Präsidenten spricht, hört immer wieder, was die Computer-Expertin Natalie Prieur aus Dallas so formuliert: „Die Trump-Bewegung wird noch stärker werden, wenn die Menschen sehen, wie Joe Biden und Kamala Harris regieren. Biden wird versuchen, uns die Waffen wegzunehmen, er wird die Steuern erhöhen und dem Land wegen der Corona-Pandemie wieder einen Lockdown verordnen.“ Das werde, da ist sie sicher, das Land noch mehr als bisher polarisieren und spalten - obwohl Biden in seinen Reden bisher betonte, er wolle ein Präsident für alle Bürger sein. Doch schon jetzt ist klar, dass ein ungeduldiger linker Flügel der Demokraten Druck auf Biden ausüben wird, um ihre Forderungen realisiert zu sehen.

Andere Trump-Anhänger glauben zudem, dass das Rennen trotz der offiziellen Siegeserklärungen durch die US-Medien und die Biden-Kampagne noch nicht gelaufen ist – und die juristischen Aktionen Trumps, die bisher kaum Wirkung zeigten, das Ruder doch noch herumreißen werden. „Glaubt den Mainstream-Medien nicht,“ forderte beispielsweise Elizabeth Ochoa aus San Antonio (Texas) andere Anhänger Trumps auf Facebook auf. Es gebe keinen offizielle Gewinner, bis alle rechtlichen Einsprüche geklärt seien. Damit wiederholt sie die offizielle Position des Präsidenten.

Van Jones, einer der prominenten farbigen CNN-Moderatoren, forderte am Samstag angesichts der Stärke Trumps den Wahlsieger auf, die Anhänger des Unterlegenen „mit Respekt“ zu behandeln und Häme zu vermeiden. Doch ob dies dazu führen wird, dass die „Trumper“ den Demokraten Biden als legitimen Präsidenten ansehen, ist fraglich. In sozialen Medien sprechen die Trump-Fußtruppen weiter von „Betrug“ und glauben, mit illegalen Tricks um den Sieg beraubt worden zu sein. Ob diese Einstellung in den nächsten Tagen zu größeren Protesten und Auseinandersetzungen führen wird, ist noch nicht abzusehen.

Politisches Comeback für Trump?

Spekuliert wird seit dem Wochenende auch, ob es in vier Jahren ein politisches „Comeback“ für Trump geben könnte, der es immerhin geschafft hat, die Attraktivität seiner Partei bei der wichtigen Latino-Minderheit zu erhöhen. Ein Präsident darf in den USA maximal zwei Amtszeiten haben, und Biden wäre – würde er sich zu einer erneuten Kandidatur entscheiden – im Jahr 2024 bereits 81 Jahre alt. Auch wird im konservativen Lager eine Bewerbung von Trumps Sohn Donald junior erwähnt, der im Wahlkampf extrem aktiv gewesen war und zahlreiche Reden hielt.

Ob Donald Trump eine politische Zukunft hat, hängt nach Ansicht des „Wall Street Journal“ auch davon ab, ob er den Sieg Bidens akzeptiert oder verbittert eine Gratulation ablehnt. Er dürfe nicht die Partei und jene Menschen im Volk vor den Kopf stoßen, die ein Ende des Streites um den Wahlausgang wollen – und müsse das Weiße Haus mit Würde verlassen.

Friedemann Diederichs Korrespondentenbüro Washington
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