Petersdorf - Zwölf Jahre alt war Gerd Teich, als er und seine Familie von ihrem Hof in Schlesien vertrieben wurden. Geboren am 17. Dezember 1933 wuchs Teich als viertes von sieben Kindern in Maifritzdorf (Mąkolno), 75 Kilometer südlich von Breslau, auf. „Den Krieg haben wir relativ unbeschadet überstanden“, erzählt der heute 81-Jährige im Gespräch mit der NWZ . „Erst am 8. Mai 1945, als der Krieg zu Ende war, zogen russische Soldaten durch unser Dorf. Nach und nach wurden unsere Pferde und Rinder beschlagnahmt. Das versuchten wir natürlich zu verhindern. Und so versteckten wir unser letztes Pferd im Wald.“
Dass man sie vertreiben würde, das konnte sich Gerd Teichs Familie nicht vorstellen. „Wir hofften, unseren Hof weiter bewirtschaften zu können.“
Diese Hoffnungen sollten bald zerstört werden. Im Sommer 1945 kamen russische Soldaten mit polnischen Familien, die sie im Dorf auf die Wohnungen verteilten. Von da an begann ein anderes Leben für die Familie Teich. „Mein Vater hatte auf seinem eigenen Hof nichts mehr zu sagen. Wir mussten uns von polnischen Jungs, die jünger waren als wir, verprügeln lassen. Wehren durften wir uns nicht, sonst bekamen wir Ärger mit der polnischen Miliz. Ein Jahr lang lebten wir mit der polnischen Familie unter einem Dach.“
Bis zum Morgen des 28. April 1946. „Gegen 6 Uhr morgens kam die Miliz auf unseren Hof und forderte uns auf, innerhalb einer halben Stunde das Haus zu verlassen. Wir ließen unser Anwesen zurück und gingen zu Fuß los: Vater, Mutter und sieben Kinder, das jüngste war sieben Monate alt und lag im Kinderwagen. 16 Kilometer waren es bis Frankenstein. Dort wurden wir in Viehwaggons geladen, erst in Westdeutschland durften wir in einen Personenzug umsteigen. Doch viel bequemer war das nicht. Es herrschte eine unglaubliche Enge. Ich kauerte mich unter einen der Sitze“, erinnert sich Gerd Teich an seine Fahrt ins Ungewisse.
Am 2. Mai 1946 erreichte die Familie schließlich Barßel. Dort wurden Gerd Teich und seine Geschwister auf verschiedene Unterkünfte verteilt, denn Platz für eine neunköpfige Familie gab es nicht.
Ähnlich wie Gerd Teich erging es damals vielen Familien aus Schlesien. Am 1. September 1948 lebten in der Gemeinde Bösel etwa 400 Vertriebene (s. Infobox).
Teich absolvierte eine Ausbildung zum Gärtner. In Kartzfehn lernte er schließlich seine Frau Maria auf der Arbeit kennen.
Mehrere Male hat der Böseler seither seine Heimat besucht, zuletzt im Jahr 1999. „Es war jedes Mal sehr emotional, nach Hause zu kommen“, sagt er.
