Genf/Frankfurt Am Main - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ein Krisentreffen in Genf zur Ebola-Epidemie in Westafrika einberufen. In Nigeria wurde der zweite Todesfall durch die Tropenkrankheit bestätigt. Nigeria ist nach Guinea, Liberia und Sierra Leone das vierte Land, in das sich Ebola ausgebreitet hat. In Saudi-Arabien starb nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Dschasira ein Mann mit Ebola-ähnlichen Symptomen.
Nach aktuellen WHO-Angaben ist die Zahl der Ebola-Toten in Westafrika auf 932 gestiegen. Bis 4. August seien insgesamt 1.711 Erkrankungen gezählt worden. Das sind 108 Infektionen und 45 Todesfälle mehr als am 1. August bekannt waren, teilte die Organisation am Mittwoch in Genf mit.
Sierra Leone ist demnach am schwersten von der Epidemie betroffen. Dort haben sich 691 Menschen mit dem tödlichen Virus infiziert, davon sind 286 gestorben. In Liberia gibt es 516 Erkrankte, von denen 282 starben. Für Nigeria listet die WHO neun Fälle auf, von denen einer tödlich verlief. In Guinea, wo die Epidemie im März ausgebrochen war, erkrankten 495 Menschen, von denen 363 starben.
Unterdessen will die spanische Regierung die ersten Ebola-Infizierten nach Europa holen. Ein 75 Jahre alter spanischer Priester und zwei Nonnen haben sich am katholischen Hospital in der liberianischen Hauptstadt Monrovia infiziert. Sie sollen nach Spanien geflogen werden. Zuvor waren zwei US-Bürger in die Vereinigten Staaten gebracht worden. Der Hamburger Tropenmediziner Rolf Horstmann hält das Risiko für minimal, dass Ebola nach Deutschland eingeschleppt werden könnte.
Führende Epidemiologen riefen die WHO dazu auf, vielversprechende Medikamente, die sich noch in der Testphase befinden, beschleunigt zuzulassen. Einen entsprechenden Appell verfassten der frühere Leiter des UN-Aids-Programms und Mitentdecker von Ebola im Jahr 1976, Peter Piot, sowie die Professoren David Heyman und Jeremy Farry. Die beiden ausgeflogenen US-Amerikaner, ein Arzt und eine Missionarin, waren mit dem Serum MZapp behandelt worden und zeigten eine Besserung. Das Mittel wurde bisher nur an Affen getestet.
Von dem zweitägigen WHO-Krisentreffen werden neue Notfallpläne zur Bekämpfung der Epidemie erwartet. Die UN-Organisation hatte 100 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen Ebola bereitgestellt, die Weltbank 200 Millionen. „Ärzte ohne Grenzen“ forderte weit mehr internationale Unterstützung für die betroffenen Länder. Die Nothilfe-Koordinatorin der Organisation, Anja Wolz, bezweifelte in einem Interview des US-Nachrichtensenders CNN, dass Sierra Leone die tödliche Infektion unter Kontrolle bekommen kann.
Die Vorbeugemaßnahmen greifen aus ihrer Sicht noch überhaupt nicht. „Wir haben immer noch ungeschützte Bestattungen, Menschen, die die Beisetzung ohne Desinfektion der Leiche vornehmen“, erläuterte die Krankenschwester aus Würzburg, die in einem Ebola-Zentrum in Kailahun im Osten Sierra Leones tätig ist. Die Virus-Infektion wird über Körperflüssigkeiten übertragen. Die Berührung eines Toten gilt als hoch ansteckend.
Die Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm), Gisela Schneider, warnte Entwicklungshelfer, Missionare und Geschäftsleute dringend vor Reisen in die betroffenen Staaten. „Wer sich dort ansteckt, kommt nicht mehr raus“, sagte Schneider in Tübingen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Infizierte könnten nicht damit rechnen, ausgeflogen zu werden.
Die Deutsche Welthungerhilfe unterstützt in Sierra Leone die kommunalen Verwaltungen im Kampf gegen das tödliche Ebola-Virus. In der zweitgrößten Stadt Bo würden umfassende Aufklärungs- und Hygieneprogramme vorangebracht, teilte das Hilfswerk in Bonn mit. Genannt werden Handwaschanlagen an öffentlichen Gebäuden, Kirchen und Moscheen.
