Berlin - Die FDP will sich mit dem Nein des Koalitionspartners CDU/CSU zur steuerlichen Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften nicht abfinden. FDP-Politiker wie Außenminister Guido Westerwelle und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderten die Union auf, ihre ablehnende Haltung zu überdenken. Nach Protesten des konservativen Unionsflügels hatte die CDU-Spitze um Angela Merkel am Montag ihre Absage an eine steuerliche Gleichstellung bekräftigt.
Unterdessen bewegt der Streit unter den Politikern auch deutsche Prominente. „Das ist ein undemokratischer Skandal“, sagte die lesbische TV-Komikerin Hella von Sinnen in Köln. Hella von Sinnen lebt mit Cornelia Scheel zusammen. Die beiden kämpfen seit Jahren gegen Diskriminierung von Schwulen und Lesben. „Ich bin nicht sonderlich an der Institution der Ehe an sich interessiert“, erklärte die 54-Jährige. „Doch wenn es diese nun mal schon gibt, dann doch bitte auch für homosexuelle Paare.“
Schlagersänger Patrick Lindner hält die jetzige Regelung für ungerecht und überholt. „Ich bin nicht verpartnert mit meinem Lebensgefährten, aber wir führen einen ganz normalen Haushalt wie jeder andere auch. Da sage ich: Wo liegt jetzt da der Unterschied?“
Linder sieht in der Debatte ein gesellschaftliches Problem: „Wir brauchen bloß in andere Länder schauen, da ist das überhaupt keine Diskussion mehr. Und unser hoch entwickeltes Deutschland steht da, als ob wir hinterm Mond leben würden.“
Für den Vater eines Adoptivsohns ist es wichtig, dass Familien mit Kindern steuerlich gefördert würden - egal, ob hetero- oder homosexuell. Denn kinderlose Ehepaare hätten heute die gleichen Steuervorteile wie kinderreiche Familien.
Modezar Karl Lagerfeld setzte Anfang des Jahres auf seiner Schau für Chanel in Paris ein Statement, als er zwei Bräute und ein Kind auf den Laufsteg schickte. „Warum können Menschen, die zusammenleben, nicht den gleichen Status haben wie verheiratete Bürgerliche?“, soll er anschließend gefragt haben.
Patrick Lindner geht noch einen Schritt weiter: In dem Moment, in dem sich jemand outet, sei sofort ein Barriere da. „Wo ist da die Toleranz, wo ist sie?“
