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NWZonline.de Nachrichten Politik

Debatte: „Unwissenschaftliche Wertung“

27.11.2014
Die angeblichen Verstrickungen des ersten niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf in NS-Unrecht schlagen Wellen. Nachdem Historiker ihre Anschuldigungen verteidigt haben, antwortet erneut der ehemalige Verfassungsrichter Ernst Gottfried Mahrenholz.

Zu loben ist die „in der Tatsachenerhebung gründliche Dissertation“ von Frau Nentwig. Dieses mein Urteil bleibt. Aber die Wertung der Tatsachen durch sie habe ich als unwissenschaftlich gekennzeichnet. Ich muss mich auf zwei Bespiele beschränken.

Frau Nentwig bezeichnet die Einnahmen der Fa. Kopf & Bohne in ihrem Geschäftsfeld für das Jahr 1939 „an Provisionen und Gebühren“ mit 205 285 Reichsmark. Kein Wort über die danebenstehenden Ausgaben die sie nicht aufzeichnet: Steuern, Miete, Angestelltenhonorare, Sozialversicherung, Strom, Licht, Telefon und nicht zuletzt der Teilhaberanspruch des Herrn Bohne. Heutige Kaufkraft: 806 600 Euro €. Dass ist also wie Frau Nentwig unmittelbar fortfährt, „dieser satte Gewinn“, nämlich der „des geschäftstüchtigen Kopf“. So entsteht das Resümee, Kopf habe sich an jüdischem Eigentum bereichert (so auch „Die Welt“ am 07. Januar 2014).

Diese Vokabel „bereichert“ zieht sich wie ein roter Faden durch alle öffentlichen Verlautbarungen. Die Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen stellt fest, Kopf habe aus der Abwicklung jüdischen Vermögens „Gewinne“ gezogen. Ja, Provision und Gebühren; wie bei unzähligen anderen Maklern und Notaren in Oldenburg und überall in Deutschland wo Juden auswanderten und wie bei Nichtjuden die vorgeschriebenen Gebühren und Provisionen gezahlt haben. Sodann: In der Kriegszeit Juden und Polen zu unterstützen war noch riskanter, als dies 1938/39 zu tun. Für beide Zeitabschnitte der Tätigkeit von Kopf fehlt es nicht an eindrücklichen Belegen über Kopfs Hilfsbereitschaft, sogar über die Aufnahme von Personen während der Pogromnacht in seine Wohnung. Einzelfälle? Wer in der Nazizeit half konnte nur in Einzelfällen helfen.

Nentwig gibt die Zeugnisse von Juden aus den Jahren 1938/39 breit wieder. Frau Nentwig schiebt es beiseite mit dem Bemerken ein differenziertes Urteil über Kopfs Geschäfte sei nicht möglich.

Für Kopfs Tätigkeit aus der Kriegszeit gibt es gleichfalls tiefberührende Berichte über seine Hilfsbereitschaft für Polen, für Deutsche, einen Priester, der von dem Respekt berichtete, den Kopf wegen seiner Haltung auch bei den unterdrückten Polen genoss.

Frau Nentwig dazu: Es gebe doch die „Selektivität der Erinnerung“ (1948, drei Jahre nach dem Geschehen und bei so tiefgreifenden Erlebnissen!). Man müsse sich als Maßgabe an die schriftlichen Dokumente aus jener Zeit halten (der NS-Zeit!). Und Frau Nentwig wiederholt in dieser Zeitung die Feststellung ihres Buches, es könnten ja Erklärungen sein, die Kopf gegen das Auslieferungsbegehren der Polen schützen sollten. Diese Entlastungszeugnisse müssen vorsichtig behandelt werden.

So werden detaillierte und darum glaubwürdige Schilderungen von Kopfs Hilfen abgewertet. Dem Juristen sträubt sich alles, dass der Richter Entlastungszeugen schon als solche vorsichtig behandeln müsse. Nur weil diese dem Belasteten zu Gute kommen? Ist das ein Prinzip historischer Wissenschaft?

Und schon ist man bei der Hand mit dem Urteil, Kopf in das „thematische Auslöschen der jüdischen Bevölkerung einzubeziehen“. Diese Art historischer Wissenschaft erlaubt alles.

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