Um diesen Artikel zu lesen, schließen Sie eines unserer Angebote ab oder loggen sich als Abonnent ein. Alle Inhalte auf NWZonline und in der NWZ-Nachrichten-App stehen Ihnen dann uneingeschränkt zur Verfügung.
Lawrence Berg aus Varel erklärt, warum er denkt, dass Obama gewinnt. Er glaubt, dass sich trotzdem nichts wirklich ändern wird.
Von Gerret von Nordheim
Frage:
Herr Berg, ist die anstehende Wahl wichtiger als andere USA-Wahlen?
Berg:
Jein. In den USA werden die obersten Richter durch den Präsidenten gewählt, und diese bleiben lebenslang. Bush als Republikaner hat in seiner Amtszeit zwei relativ rechte Richter eingesetzt. In der Judikative hat es also schon ernstzunehmende und auch längerfristige Folgen, welche Partei gewählt wird. Die Personalie an sich, also ob McCain oder Obama für vier Jahre Präsident wird, ist relativ sekundär. Das ist das schöne am amerikanischen System, nach acht Jahren ist sowieso Schluss; so etwas wie hier mit 16 Jahren Kanzler Kohl ist in Amerika nicht möglich.
Frage:
Aber trotzdem scheinen acht Jahre Bush genügt zu haben, um einer Weltmachtstellung nachhaltig zu schaden.
Berg:
Es ist voreilig, von nachhaltiger Zerstörung zu sprechen. Das überlasse ich den Geschichtsbüchern. Derzeit ist die politische Diskussion zu aufgeladen, um ein vernünftiges Resümee zu ziehen. Im Prinzip tut Bush mir Leid – zu viel, was passiert ist, wurde zu unrecht auf ihn geschoben.
Frage:
Glauben Sie nicht, dass mit Obama, der sich als „Change“ in persona instrumentalisiert, eine Veränderung käme?
Berg:
Sicherlich wird sich für die USA zukünftig viel verändern: Sie wird, ähnlich wie Westeuropa, zu einer alten Weltmacht werden, der Durchschnittsbürger wird weniger verdienen, die Steuern werden steigen. Auch Deutschland wird die Folgen spüren – wenn man ehrlich ist, hat nämlich auch der Export hierzulande von dem Turbokapitalismus drüben profitiert. Ein fundamentaler politischer Richtungswechsel wird jedoch mit keinem der beiden Kandidaten stattfinden. Gewählt wird nach dem Portemonnaie, danach muss sich auch Obama richten. Als die Erdgaspreise stiegen, war auch er plötzlich für die Kernenergie. Wenn man das Motto „Change“ ernstnehmen wollte, so müsste man sowieso ganz anders wählen.
Frage:
Was würden Sie wählen?
Berg:
Ich wusste, dass Sie mich das fragen würden (lacht).
Ich würde den Kandidaten der „Green Party“, Ralph Nader, wählen.
Frage:
Nie von ihm gehört.
Berg:
Sehen Sie, genau hier liegt das Problem. McCain und Obama geben für ihre Kampagnen Unsummen aus. Vor ein paar Tagen hat Obama über die drei größten amerikanischen TV-Stationen eine 30-minütige Werbesendung ausgestrahlt. Die Medien, auch hierzulande, berichten nur über den Mainstream. Für ein differenziertes Bild müsste man verschieden gefärbte Zeitungen und unabhängige Blogs rezipieren – aber wer macht das schon.
Frage:
Ist es Ihnen möglich, von Varel aus zu wählen?
Berg:
Theoretisch ja. Solange ich in Deutschland bin, seit 1985, habe ich jedoch nie gewählt. Im Radio habe ich vor Kurzem gehört, dass es eine Frau 100 Dollar gekostet hat, von hier zu wählen – und selbst dann kann man sich nicht sicher sein, dass die Stimme wirklich ankommt.
Frage: Zum Schluss: Wer wird die Wahl gewinnen?
Berg:
Ich denke, es wird ein Erdrutschsieg für Obama. Sein Wahlkampfteam hat die Hausaufgaben gemacht, die Demokraten werden nicht noch einmal verlieren – sie sind einfach wieder dran. Aber was ist heutzutage schon sicher?