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NWZonline.de Nachrichten Politik

Diplomatie: USA trauern um „Frontmann“ Holbrooke

15.12.2010
NWZonline.de NWZonline 2015-07-29T13:15:25Z 280 158

Diplomatie:
USA trauern um „Frontmann“ Holbrooke

WASHINGTON Er habe keine moralischen Probleme, mit Leuten zu verhandeln, die unmoralische Dinge tun. Diese Aussage kennzeichnet wohl am besten die Arbeits-Philosophie von Richard Holbrooke, dem am Montagabend überraschend gestorbenen Afghanistan- und Pakistangesandten von US-Präsident Barack Obama.

Der 69jährige Holbrooke, den zwei Notoperationen nach einem Riss in der Herzschlagader nicht mehr retten konnten, stellte sich fast 50 Jahre lang in den Dienst der amerikanischen Diplomatie – und dies nicht nur leise. Sein Ruf als „Bulldozer“ am Verhandlungstisch stammt aus der Zeit, als Washingtons Mann fürs Grobe im Jahr 1995 das Friedensabkommen von Dayton unter Dach und Fach brachte und damit einen Schlussstrich unter den Bosnien-Krieg zog. Drei Jahre später drängte Holbrooke den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic zum Abzug aus dem Kosovo.

Freundlich, aber unnachgiebig, nie resignierend, Klartext redend und weltweit respektiert – so wurde Holbrooke, der in den Jahren 1993 und 1994 auch neun Monate als US-Botschafter in Berlin gedient hatte und dessen Mutter aus Stuttgart stammte, jetzt in den USA gewürdigt. Als „Gigant der Außenpolitik“ bezeichnete Barack Obama den Verstorbenen, der sich am Freitag in einer Besprechung mit Hillary Clinton plötzlich unwohl gefühlt hatte und dann im Fahrstuhl kollabiert war. Es sei nichts Ernstes, hatte der stämmige hochgewachsene Diplomat zunächst abgewinkt und weiterarbeiten wollen – denn schließlich stand am Dienstag im Weißen Haus die monatliche Präsidentenrunde zum Konflikt am Hindukusch an, bei der Barack Obama die Jahresbilanz zum US-Engagement in der Region für den Kongress ausarbeiten wollte.

Doch nun fehlt Obama der „Frontmann“, der unermüdlich zwischen Washington, Kabul und Islamabad pendelte – und vor allem im Umgang mit Afghanistans Präsident Hamid Karsai gelegentlich vor scharfen Worten nicht zurückschreckte. Zwar teilte Holbrooke bis zuletzt den Ansatz Karsais, auch in Gesprächen mit den Taliban nach Friedenswegen zu suchen. Doch der Unwille oder die Unfähigkeit des afghanischen Präsidenten, Korruption und Vetternwirtschaft zu bekämpfen, blieben bis zuletzt ebenso ein heißes Eisen wie die Zweifel an der Korrektheit der Wahl Karsais.