Varel/Bockhorn/Zetel - Begeisterung klingt anders: Die Vertreter der SPD-Ortsvereine nehmen das Ergebnis der Abstimmung zähneknirschend zur Kenntnis. Die Delegierten haben beim SPD-Bundesparteitag für Koalitionsverhandlungen mit der Union gestimmt (Liveticker zum Nachlesen). Das können die Vertreter der SPD-Ortsverbände, Hannelore Schneider (Varel), Johann Helmerichs (Bockhorn) und Fritz Schimmelpenning (Zetel) zwar akzeptieren. Doch auf eine Große Koalition freuen sie sich trotzdem nicht. In einem Punkt sind sie sich einig: Neuwahlen hätten der SPD noch mehr geschadet.
„Ich bin hin- und hergerissen“, sagt Hannelore Schneider, stellvertretende Vorsitzende des SPD-Stadtverbands Varel, am späten Sonntagnachmittag. Für sie waren zwar Neuwahlen nie eine sinnvolle Option, aber sie hätte die SPD auch gerne in der Opposition gesehen. Mit den Koalitionsverhandlungen für eine GroKo kann sie aber leben. „Die Argumente von Stephan Weil haben mich überzeugt. Ich denke, dass wir mit der GroKo doch mehr erreichen können, als in der Opposition.“ Jetzt hoffe sie nur, dass Stephan Weil nicht nach Berlin geht. „Und wenn er nach Berlin geht, hoffe ich, dass Olaf Lies Ministerpräsident wird.“
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Sicher ist sie: „Es ist egal, was wir gemacht hätten. Ein Votum gegen die GroKo würde der Partei insgesamt schaden, und die Entscheidung für die GroKo schadet ihr auch. Die SPD kann machen, was sie will, sie kommt aus dem Tief einfach nicht raus.“
Das findet auch Johann Helmerichs, Vorsitzender der SPD in Bockhorn. „Man muss damit leben, wie die Abstimmung gelaufen ist. Es ist zwar sehr knapp abgestimmt worden, aber jetzt müssen wir das Beste daraus machen. Und ob wir bei Neuwahlen gut ausgesehen hätten, ist ja die Frage. Wir stehen allgemein nicht besonders gut da. Da hätten uns Neuwahlen vielleicht noch mehr reingerissen“, sagt er. Allerdings gibt er zu bedenken: „Die Frage ist ja, wie lange eine Große Koalition hält. Und ich denke, sie wird nicht allzu lange halten.“
Fritz Schimmelpenning, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Zetel, sagt: „Ich wäre auch mit einer Minderheitsregierung zufrieden gewesen, weil die SPD eine gute Oppositionsarbeit hätte machen können. Die stärkste Oppositionspartei ist jetzt die AfD.“ Das ärgert ihn. Er gibt zu bedenken: „Es ist ja immer noch nicht entschieden, ob es eine große Koalition gibt, es werden nur die Verhandlungen gestartet. Da muss man jetzt abwarten, was kommt. Ein bisschen nachlegen sollte die SPD schon, um die Basis zufriedenzustellen.“ So oder so, es gelte: „Wir müssen da jetzt durch, ob wir wollen, oder nicht. Denn Neuwahlen sind nur für eine Partei gut, und das ist die AfD.“ Die spannendste Frage sei, ob Stephan Weil nach Berlin geht. „Wenn ja, dann hoffe ich, dass Olaf Lies Ministerpräsident wird“, sagt Fritz Schimmelpenning.
