VAREL/NORDENHAM/BERLIN - Betriebsräte fordern endlich Klarheit über die Sanierungspläne. Die Kanzlerin lässt sich in Berlin informieren.
Von C.-F Ehlers, O. Reichert, H. Begerow und M. Rücker
VAREL/NORDENHAM/BERLIN - Die Krise des europäischen Flugzeugherstellers Airbus hat am Freitag die bislang größten Protestaktionen der Beschäftigten in Deutschland ausgelöst. Mehr als 24 000 Arbeitnehmer von Airbus – davon 8000 in Varel – und aus der Zulieferindustrie demonstrierten an vier Airbus-Standorten für ihre Arbeitsplätze. Führende Politiker aus den Bundesländern mit Airbus-Standorten sowie die Arbeitnehmervertreter kritisierten das Management für Fehler und forderten den Erhalt aller deutschen Standorte.Der deutsche Airbus-Chef Gerhard Puttfarcken räumte Versäumnisse der Firmenleitung ein, warb aber auch um Vertrauen für die bevorstehenden Entscheidungen. Hintergrund sind Einsparpläne über rund zwei Milliarden Euro jährlich und der drohende Verlust von bis zu 10 000 Arbeitsplätzen.
„Seit sechs Monaten ist das Unternehmen nicht in der Lage, den Menschen eine Perspektive zu zeigen. Das finde ich unanständig“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Airbus Deutschland, Rüdiger Lütjen. Der Vize-Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Thomas Busch (Varel), befürchtet die Verlagerung von Fertigungskompetenz nach Frankreich.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sprach in Varel von „Fehlentscheidungen der Spitzenmanager in Toulouse“, die „nicht den deutschen Beschäftigten angelastet werden dürfen“. SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner kündigte an, dass sich parteienübergreifend die Politik „einmischen“ werde. So wurden erste Drohungen laut, deutsche Rüstungsaufträge zurückzufahren, sollte Deutschland bei dem geplanten Airbus-Sparprogramm überproportional belastet werden. „Ich halte die Vergabepolitik für einen wichtigen Hebel, um klar zu machen, dass man die deutschen Interessen nicht übergehen kann“, sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) der NWZ . Nach NWZ -Informationen beraumte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am heutigen Sonnabend ein Geheimtreffen mit der EADS-Spitze in Berlin an. Daran nimmt
auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung teil. Dabei sollen das Sparkonzept und die Aufträge auch der Bundeswehr zur Sprache kommen.
Hintergrund, S.6
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