Varel - Kommt in Varel bald die Trecker-Maut? Dieser Vorschlag ist am Montagabend im Ausschuss für Bauen, Liegenschaften, Straßen und Verkehr diskutiert worden. Mit dem Geld sollen vor allem die dauerhaft kaputten Moorstraßen unterhalten und saniert werden.

Nach dem Verursacherprinzip sollen diejenigen, die die Straßen kaputt fahren, auch für die Reparatur zahlen. Und das sind im ländlichen Bereich nun mal die Landwirte. „Wir sollten mal darüber nachdenken“, sagte Ratsherr Alexander Westerman (parteilos) und erhielt dabei Unterstützung von Cordula Breitenfeldt (parteilos).

Angestoßen hatte das Thema Johannes Gerdes. Der Vareler, der Bauingenieurswesen studiert und derzeit ein Praktikum bei der Verwaltung absolviert, hat alle 447 Straßen der Stadt abgefahren und bewertet. Sein Ergebnis: „Von den zehn schlechtesten Straßen sind acht Moorstraßen.“

So praktizieren andere Kommunen die Trecker-Maut

Es gibt Kommunen, die unterschiedliche Modelle der Trecker-Maut umsetzen. Einige Gemeinden haben sich darauf geeinigt, dass Landwirte je nach Gewicht des Schleppers 191 bis 767 Euro pro Fahrzeug und Jahr bezahlen.

Die Gemeinde Schiffdorf (Kreis Cuxhaven) hat 2007 den Wirtschaftsverband Wesermünde gegründet, der sich um die Wirtschaftswege kümmert. Mitglieder sind die kleineren Gemeinden und Grundstückseigentümer, die Beiträge zahlen.

Der Entwässerungsverband Moorriem-Ohmsteder Sielacht im Kreis Wesermarsch hat noch eine andere Lösung. Dort zahlen die Landwirte 10 Euro pro Hektar und Jahr und dürfen dafür die Wege mit Fahrzeugen mit bis zu sieben Tonnen Gesamtgewicht befahren.

In Wardenburg (Kreis Oldenburg) ist die Trecker-Maut gescheitert. Bei der Beantragung von Genehmigungen kam nur ein Bruchteil der erwarteten Summe von 100 000 Euro jährlich zusammen.

Der Grund für die Schäden: Versackungen durch den weichen Moorboden und die Trockenheit sowie die schweren Fahrzeuge, die vor allem in der Erntezeit über die Straßen fahren. Reparaturen halten nur über einen kurzen Zeitraum. Schnell sind wieder Schäden reingefahren, die sich in den Frost- oder Trockenperioden weiter verschlimmern.

Bürgermeister Gerd-Christian Wagner bezeichnete die Sanierung der asphaltierten Moorstraßen als ein „Fass ohne Boden“. Er plädierte dafür, einen Experten der Landwirtschaftskammer einzuladen, der Politik und Verwaltung die Situation der landwirtschaftlichen Fahrzeuge erklärt. Denn: „Ich habe das Gefühl, dass sich die Landwirte ein Stück weit unschuldig fühlen.“ Eine Lösung könne aber nur gemeinsam gefunden werden: „Die Landwirte sind für uns ein wichtiger Partner. Und diesen Partner sollte man nicht aufschrecken.“

„Sondernutzungsgebühren“ sind aber nur einer der Lösungsansätze von Johannes Gerdes. Er schlug auch vor, für ländliche Straßen die Beschilderung zu ändern und Landwirte mit ihren Treckern dadurch zu sensibilisieren, langsamer zu fahren. Zudem könnte man Ausbuchtungen bauen oder Straßen bei Tauwetter sperren.

Ratsherr Dirk Brumund (CDU) sprach sich indes für die Entsiegelung der Moorstraßen aus. „Der Schotter macht die Straße fester“, habe er zum Beispiel an der Neudorfer Straße festgestellt.