Varel/Zetel/Oldenburg - Friesland soll ein „Sicherer Hafen“ für Flüchtlinge werden. Das wünschen sich die Aktivisten der „#LeaveNoOneBehind“-Bewegung im Landkreis. Sie setzen sich für die Seenotrettung im Mittelmeer sowie sichere Fluchtwege ein. Ihre Forderungen unterstrichen sie nun mit mit Plakatwänden in Zetel. Gleich an zwei Stellen stellten sie diese mit Unterstützung der Gemeinde im Ortskern auf.

Am Rathaus stellten sie plakativ die rhetorische Frage: „Gemeinsam stark gilt doch für alle, oder?“ Darunter stand: „Lesbos evakuieren“ – eine Anspielung auf das überfüllte Flüchtlingslager auf der griechischen Insel, in dem katastrophale hygienische und gesundheitliche Bedingungen herrschen. Mit großen Bannern am Marktplatz forderten die Aktivisten: „Die Welt gehört uns allen, jeder braucht ein Zuhause.“

Hilfe bei der Aktion erhielt die Gruppe von Bürgermeister Heiner Lauxtermann. „Er organisierte die Bauzäune, nachdem wir ihm persönlich von der bundesweiten Aktion erzählt hatten“, teilten Annika Bohlen und Aiske Schimmelpenning als Vertreterinnen der Aktivisten in der „#LeaveNoOneBehind“-Bewegung in Friesland nun mit.

Zudem nahmen sie am vergangenen Samstag an der Demonstration der Aktion „Seebrücke“ auf dem Schlossplatz in Oldenburg teil. Nach Polizeiangaben folgten rund 140 Menschen einem Aufruf von Seebrücke, Klimakollektiv und Fridays-for-Future. Im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages forderten sie die Evakuierung der Flüchtlingslager in Griechenland und eine Änderung der aktuellen Flüchtlingspolitik.

Die Ortsgruppe Varel vom Verein „Solidarität International“ und „Zusammen in Varel“ unterstützen die Plakataktion in Zetel. Ein Antrag an den Rat der Stadt Varel, Flüchtlinge aufzunehmen, scheiterte indes knapp. „Diese Entscheidung wird uns aber nicht davon abhalten, einen neuen Antrag zu stellen bei einer neuen Zusammensetzung und anderen Mehrheitsverhältnissen. Das sind wir den Menschen schuldig“, sagte der Vareler Ratsherr Alexander Westerman (parteilos).

Bereits 2018 zeigten bei der Menschenkette „Meer Menschlichkeit“ über 2000 Personen in Dangast, darunter auch viele Politiker wie Varels SPD-Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller und Frieslands Landrat Sven Ambrosy, „dass die Situation auf dem Mittelmeer nicht akzeptabel ist“, schrieben Annika Bohlen und Aiske Schimmelpenning. Der Ev.-luth. Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, die Diakonie Friesland-Wilhelmshaven und die Diakonie am Meer sowie das Demokratie-Projekt Wangerland Sofa haben sich dem Bündnis „United4Rescue – Gemeinsam Retten“ angeschlossen.

Ob und wann Friesland ein „Sicherer Hafen“ wird, steht noch in den Sternen. Der Kreistag lehnte im Dezember 2019 in Steinhausen einen entsprechenden Antrag der Gruppe Menschenmüll Wähleraktion (MMW) ab. „Mit der flachen Begründung ,Aufruf zum Rechtsbruch’“, konstatierten Annika Bohlen und Aiske Schimmelpenning.