Vechta/Bethen - Die Bether St.-Marien-Basilika beherbergt eine der größten Gedenkstätten für Gefallene beider Weltkriege in Deutschland. In der Krypta der 1929 als Kriegergedächtnisort erbauten Wallfahrtskirche finden sich auf Marmortafeln die Namen von 3672 Kriegstoten des Ersten Weltkrieges aus katholischen Gemeinden des Oldenburger Landes.
Und so scheint es nur logisch, dass Peter Sieve, Archivar am Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta, an diesem Ort sein Gedenkbuch für die Opfer des Ersten Weltkrieges vorstellt. 15 Jahre lang hat sich der Kirchenarchivar mit den Recherchen beschäftigt – und 3717 Gefallene aus den hiesigen katholischen Gemeinden ermittelt.
Für die Aufarbeitung hat er viele Quellen herangezogen: So beispielsweise die amtlichen Verlustlisten der preußischen Regierung, Bestände des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Ehrentafeln, Todesanzeigen hiesiger Zeitungen oder auch Totenzettel. „Ich danke Peter Sieve sehr für seine beharrliche Ausdauer, alle diese Quellen miteinander abzugleichen“, zollte ihm Bethens Wallfahrtspfarrer Dr. Dirk Költgen seinen Respekt.
Sieve stellte bei seinen Nachforschungen fest, dass sich die 3672 in der Krypta aufgeführten Namen wegen Doppel- und Dreifachnennungen auf 3498 Personen reduzieren lassen. Zahlreiche Todesdaten sind falsch. Dafür fehlen die Namen weiterer 219 Gefallenen.
Somit konnte Sieve insgesamt 3717 Gefallene des Ersten Weltkriegs ermitteln. Mehr als 98 Prozent dienten im Deutschen Heer, meist bei der Infanterie. 51 Soldaten gehörten der Deutschen Marine an, einer den Deutschen Schutztruppen in den Kolonialgebieten. Drei Delmenhorster sowie ein Dinklager dienten in der österreichisch-ungarischen Armee. Unter den Gefallenen befinden sich 64 Offiziere, darunter mit Ferdinand von Stockhausen auch ein Generalmajor, und 310 Unteroffiziere. Was jetzt noch fehlt, sagt Sieve, ist eine Auflistung der vielen Kriegsgefangenen, die im Oldenburger Münsterland gestorben sind. Hierfür müssten die standesamtlichen Sterberegister durchgesehen werden.
In seinem Vorwort zum neuen Gedenkbuch betont Weihbischof Wilfried Theising den Wert der Forschungsarbeit. Die Zahl 3717 möge angesichts der Gesamtopfer des Ersten Weltkrieges gering sein, doch jeder Name erzähle eine menschliche Katastrophe und mahne die Zerbrechlichkeit des Friedens.
Am Sonntag, 11. November, feiert Theising um 10.30 Uhr in der Bether Basilika einen Gedenkgottesdienst zum Friedensschluss des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Im Anschluss daran stellt Sieve das Buch vor.
