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Pogromnacht „Verbrechen nicht relativieren“

Anette Kellin Atto Ide Rahel Arnold

Jeverland - In Jever, Schortens und Gödens haben am Sonntag Bürger der Opfer des Nationalsozialismus’ gedacht: Ganz persönlich erinnerte Peter Torkler auf dem jüdischen Friedhof in Schortens während der Gedenkveranstaltung an die Pogromnacht 1938 und an den in Wilhelmshaven geborenen Juden Max Heller, der über Holland in die USA fliehen konnte.

Als er die Orte seiner Kindheit wieder besuchte, habe Torkler von ihm kein Wort des Hasses gegenüber den Deutschen gehört, die ihm und seiner Familie das angetan haben. „Wohl aber Traurigkeit und Enttäuschung, dass alle Freunde und Nachbarn in dieser schweren Zeit sich von seiner Familie abgewendet hatten“, sagte Torkler.

Verfolgung der Juden

Mit den Pogromen am 9. November 1938 sei der Zeitpunkt markiert, in dem der Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden zur systematischen Verfolgung und Vernichtung vollzogen wurde, was dann in die Ermordung von mehr als fünf Millionen Juden in ganz Europa mündete.

Deshalb dürfe es nicht zugelassen werden, dass die Verbrechen der Nazis relativiert werden und Menschen bedroht werden, weil sie jüdischen Glaubens sind.

Der 9. November ist ein geschichtsträchtiges Datum, sagte Michael Clemens vom Heimatverein Gödens-Sande, der am Sonntag auf dem jüdischen Friedhof in Gödens an die Pogrome erinnerte.

Am Abend des 9. Novembers begann ein aufgestachelter Mob mit der brutalen Verfolgung der jüdischen Mitbürger, sagte er. Synagogen wurden gestürmt und in Brand gesteckt, Geschäfte geplündert und zerstört, Privatleute angegriffen.

Die Attacken dauerten bis in den folgenden Tag hinein und waren der Anfang einer systematischen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung deren Ziel es war, alle Zeichen jüdischen Lebens und jüdischer Tradition zu vernichten.

Clemens ging überaus detailliert auf die Umstände der Judenverfolgung ein, berichtete sehr anschaulich und war sichtlich bewegt, gestehen zu müssen, dass Anhänger der militanten Terrorgruppen auch aus seiner Verwandtschaft stammten. „Ich schäme mich dafür“, sagt Clemens.

Bereits am Morgen hatte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Gödens zu einem Gottesdienst eingeladen, bei dem in Wort, Lied und Gebet des Pogroms gedacht wurde. Gleichzeitig wurde hier aber auch an die Ereignisse vor 25 Jahren erinnert, als die Berliner Mauer fiel und es in der Folge dessen zur Wiedervereinigung kam. Lektor Onke Melles, Organist Werner Herzog und der Kirchenchor Horsten gestalteten den Gottesdienst.

An Pogrom beteiligt

Auch in Jever erinnerten der Vorsitzende des Altertums- und Heimatvereins Volker Landig, Bürgermeister Jan Edo Albers und Frieslands Landrat Sven Ambrosy an die schrecklichen Ereignisse vom 9. November 1938.

In Jever habe man sich an der Pogromnacht beteiligt, habe Häuser der Juden und die Synagoge systematisch in Brand gesetzt, sagte Jan Edo Albers. Dabei habe es nicht nur Täter und Opfer gegeben, sondern auch jene die weggeschaut haben und jene die tatenlos zugeschaut haben, betonte er. Heute arbeite die Stadt ihre NS-Vergangenheit auf, habe erst kürzlich mit der Gegendemonstration gegen die NPD Mahnwache ein deutliches Zeichen gegen Rechts gesetzt. „Wir haben damit deutlich gezeigt, wo Jever heute steht“, sagte er.

Zudem entstehe mit dem Gröschler-Haus ein außerschulischer Lernort der gegen das Vergessen angehe – „denn nur so können wir dafür sorgen, dass sich rechtes Gedankengut nicht festsetzen kann.“

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