Brüssel/Paris - Trotz massiver Polizeipräsenz und Dutzender Razzien hat die Terrorangst Brüssel nach wie vor fest im Griff. Am Montag galt den dritten Tag in Folge die höchste Warnstufe, das öffentliche Leben war auch zum Wochenanfang weitgehend lahmgelegt. Es werde weiter nach dem flüchtigen Salah Abdeslam und möglichen weiteren Terrorverdächtigen gesucht, sagte Innenminister Jan Jambon. Gleichzeitig schmiedete Frankreich weiter an einer Allianz gegen den IS, der sich zu den Anschlägen von Paris mit 130 Toten bekannt hatte.

Die Spur führte nach der Terrorwelle rasch nach Brüssel, wo mehrere der mutmaßlichen Angreifer lebten, unter anderem auch der Bruder Abdeslams, der sich selbst in die Luft gesprengt hatte. Abdeslam selbst war ebenfalls in Paris und reiste noch in der Nacht nach den Anschlägen nach Belgien ein. Auf die Frage, warum er bisher nicht gefasst werden konnte, sagte Jambon dem Sender RTL, er habe vermutlich in Belgien viele Unterstützer.

Insgesamt wurden bei Razzien in Belgien am Sonntag und Montag 21 Personen festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Unter anderem habe es auch Zugriffe in Lüttich gegeben, die meisten fanden aber im Brüsseler als Islamistenhochburg bekannten Viertel Molenbeek statt. Die Polizei feuerte dort auch zwei Schüsse auf ein Auto ab. Später konnte ein verletzter Insasse festgenommen werden, wie Staatsanwalt Eric Van Der Sypt sagte. Bei den Razzien seien aber weder Waffen noch Sprengstoff gefunden worden.

In der belgischen Hauptstadt gilt seit Samstag die höchste Terrorwarnstufe, weil die Behörden ernstzunehmende Hinweise auf eine möglicherweise unmittelbar bevorstehende Anschlagserie wie in Paris haben. Noch am Montagnachmittag sollte entschieden werden, ob die Terrorwarnung beibehalten wird. Am Montag blieben die Schulen geschlossen, Metro und U-Bahnen fuhren erneut nicht und in den Institutionen der EU und der Nato galten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen.

Auch in Frankreich liefen die Ermittlungen weiter. Die Regierung trieb aber auch ihre Pläne für eine breite Koalition gegen den IS voran, die Präsident François Hollande nach den Attacken vom 13. November versprochen hatte. Nach einem Treffen mit Hollande in Paris sagte der britische Premierminister David Cameron, er wolle, das auch sein Land sich künftig an Luftangriffen gegen den IS in Syrien beteilige. Noch diese Woche wolle er seine Pläne dem Parlament vorlegen.

Hollande wollte am Dienstag auch mit US-Präsident Barack Obama die gemeinsame Strategie gegen den IS ausloten, anschließend ist ein Treffen mit Russlands Wladimir Putin in Moskau geplant. Seit dem mutmaßlichen Anschlag des IS auf ein russisches Passagierflugzeug und die Terrorwelle von Paris zeigen Russland und der Westen zunehmend Bereitschaft, gemeinsam militärisch gegen den IS vorzugehen. Putin besuchte am Montag auch Teheran, wo er mit Staatschef Hassan Ruhani sowie dem obersten Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, zusammenkam. Auch dort sollte der Kampf gegen den IS in Syrien und die politische Zukunft von Präsident Baschar al-Assad die Agenda dominieren.