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m Iran führt international kaum ein Weg vorbei. Das Land unterstützt Hamas und Hisbollah und mischt in Konflikten im Nahen Osten mit: Syrien, Libanon, Irak, Jemen. Mag das Regime der islamischen Rechtsgelehrten noch so unzeitgemäß erscheinen, hat es sich in den vergangenen 40 Jahren doch als stabil und handlungsfähig erwiesen – zum Erstaunen einiger Beobachter. Manchem gilt es als Gegenmodell zum westlich-säkularen Staat.

Vor der Islamischen Revolution war der Iran im Westen ein willkommener Partner. Als konstitutionelle Monarchie mit dem Schah an der Spitze kannte der Iran – zumindest formell – Gewaltenteilung und Wahlen. Mohammad Reza Pahlavi und sein Vater Reza Pahlavi modernisierten Politik und Gesellschaft im 20. Jahrhundert im westlichen Sinne. Sie führten etwa das Wahlrecht für Frauen ein und schränkten den Einfluss des Islam ein. Dennoch war die Herrschaft des Schahs alles andere als eine lupenreine Demokratie. Pahlavi ließ Kritiker verfolgen und unterdrückte jede Opposition.

Vielen Iranern gingen Säkularisierung und „Verwestlichung“ der Gesellschaft zu weit. Der Klerus speziell fürchtete anlässlich geplanter Reformen um Land und Einfluss. Inmitten der Unruhen trat 1963 der schiitische Geistliche Ajatollah Ruhollah Khomeini zum ersten Mal öffentlich gegen den Schah auf. Er wurde inhaftiert und ging anschließend ins Exil, was rückblickend oft als Start der Revolution gesehen wird.

Die Proteste gegen den Schah verstärkten sich. 1978 strömten in den Städten Tausende auf die Straße: Nationale, Linke, Säkulare, Religiöse, Fundamentalisten, Kommunisten. Eine zusammengewürfelte Gruppe mit unterschiedlichen Zielen – was sie einte, war die Abneigung gegen den Schah. Khomeini, der aus dem Pariser Exil immer wieder in Kassetten-Ansprachen und mit Flugblättern zum Sturz des Schahs aufrief, galt als Symbol für den Widerstand – und als Projektionsfläche für die Wünsche der Unzufriedenen.

Vor 40 Jahren – am 16. Januar 1979 – beugte sich der Schah dem Druck und verließ das Land. Zwei Wochen später empfingen 2000 jubelnde Anhänger Khomeini bei seiner Landung in Teheran. Der rief am 1. April die Islamische Republik aus. In kurzer Zeit gelang Khomeini der Umbau des politischen Systems in eine auf ihn zugeschnittene Theokratie.

Die Islamische Republik kombiniert religiöse und republikanische Elemente – was oft zu Widersprüchen führt. Ob der diktatorische oder der demokratische Charakter überwiegt, darüber streiten Experten bis heute. Das Volk darf über Gremien wie die Hälfte des Wächterrats oder den Sicherheitsrat nicht entscheiden. Es wählt zwar Parlament und Präsident, allerdings trifft die religiöse Führung in der Regel eine Vorauswahl. Bei den Präsidentschaftswahlen 2017 etwa wurden von 1636 Kandidaten nur sechs zugelassen. Darüber steht der Oberste Führer, der in puncto Politik und Religion faktisch das letzte Wort hat: zuerst Khomeini, ihm folgte 1989 Ajatollah Ali Khamenei.

Die religiösen Fundamentalisten gingen als Sieger aus der Revolution hervor – mit Konsequenzen für Politik und Gesellschaft: Iran versteht sich als Gottesstaat. Schule, Öffentlichkeit und Justiz haben islamischen Regeln zu folgen. Mit der Umgestaltung des öffentlichen Lebens schlug die ursprüngliche Begeisterung vieler für Khomeini in Enttäuschung um. Andersdenkende wurden zum Schweigen gebracht, mussten ins Exil oder wurden willkürlich verfolgt – darunter auch viele Aktivisten, die an Khomeinis Seite gegen den Schah protestiert hatten. Amnesty International dokumentiert für diese Phase 2000 Todesopfer. Wie viele Menschen in den ersten Jahren des Mullah-Regimes wirklich starben, ist unklar – und bis heute ein Tabu.