von Christoph Koopmeiners
Frage:
Herr Abu Dayyeh, welche Beziehung haben Sie zu Israel und Palästina?Abu Dayyeh:
Als gebürtiger christlicher Palästinenser habe ich trotz meines langen Deutschlandaufenthalts intensiven Kontakt zu den Israelis und den Palästinensern gehalten, besonders durch meine sechsjährige Tätigkeit in Jerusalem, durch Studienreisen und regelmäßige Besuche. Im Übrigen habe ich auch einen langjährigen Lehrauftrag für Arabisch an der Universität Oldenburg.Frage:
Wie bewerten Sie die aktuellen Ereignisse des Nahost-Konflikts?Abu Dayyeh:
Der Nahostkonflikt schwelt permanent seit der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948. Zurzeit wird der Konflikt leider in Deutschland in den Hintergrund gedrängt, insbesondere durch ständige Diskussionen über Terrorismus, Islamismus und nukleare Bedrohung.Frage:
Gibt es Ihrer Meinung nach einen realistischen Ausweg aus dem Konflikt?Abu Dayyeh:
Für mich gibt es nur einen einzigen realistischen Weg, und zwar durch baldige Verhandlungen zwischen zwei gleichberechtigten Partnern auf der Grundlage der entsprechenden UN-Resolutionen Nummer 194, 242 und 338. Das Ziel ist die gegenseitige Anerkennung von zwei Staaten im historischen Land Palästina, nämlich in den Grenzen von 1967.Frage:
Wollen die anderen Staaten, die Israel und Palästina unterstützen, überhaupt eine Lösung des Konflikts, oder findet mehr ein Stellvertreterkrieg statt?Abu Dayyeh:
Ich vermute, dass zum Beispiel die USA mit ihrer Unterstützung Israels auch andere, für sie viel wichtigere strategische Ziele verfolgen: Sicherung von Erdölquellen, Schutz vor nuklearer und terroristischer Bedrohung. Von arabischer Seite gibt es trotz Unterstützung erhebliche Vorbehalte gegen die Entstehung eines demokratischen Staates in Palästina im Gegensatz zu ihrem Herrschaftssystem.Frage:
Wo sehen Sie den deutschen Beitrag zur Lösung dieses Konfliktes?Abu Dayyeh:
Deutschland sollte auf der einen Seite ständige Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen das internationale Recht eindeutig verurteilen und auf der anderen Seite die in den Medien wenig beachteten friedlichen Aktivitäten der Nichtregierungsorganisationen an der Basis beider Konfliktparteien unterstützen.William Abu Dayyeh, lange Jahre Lehrer in Varel, diskutiert auf Einladung des Friedensforums Varel am Mittwoch, 14. November, um 20 Uhr im Gemeindehaus an der Schlosskirche zum Thema „Israel und Palästina – Ein Konflikt ohne Ausweg?“ Vorab stellte er sich den Fragen der NWZ .
