Am Freitag ist für Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann die Kontaktvermeidung das A und O, am Montag sah sie noch nicht mal einen Grund, Veranstaltungen mit 1000 Besuchern und mehr abzusagen. Am Freitag will Kultusminister Grant Henrik Tonne alle Kitas und Schulen schließen lassen, noch am Abend vorher sah er keinen Anlass, sich zu dem Thema auch nur irgendwie öffentlich zu positionieren. Das zeigt zum einen, wie rasant sich das Coronavirus auch bei uns in Niedersachsen ausbreitet. Das macht zum anderen aber auch deutlich, wie zögerlich die Landesregierung bei der Bekämpfung der Pandemie handelt. Ganz abgesehen davon, dass für manche Patienten die nun getroffenen Maßnahmen wohl zu spät kommen, verunsichert dieses Zögern die ohnehin schon besorgte Bevölkerung nur unnötig.
Besonders deutlich wurde dies bei der Entscheidung, die Schulen und Kindergärten landesweit zu schließen. Die ist offensichtlich schon am Donnerstag im Krisenstab des Landes gefallen, wurde hier und da weitergetragen, aber nicht öffentlich kommuniziert. Da wollte man wohl lieber auf die große Pressekonferenz am Freitag warten und so mit der Ministerriege am langen Tisch fernsehtaugliche Bilder von Geschlossenheit und Handlungsfähigkeit produzieren. Tatsächlich blieben Eltern, Lehrer, Erzieher, Arbeitgeber einfach einen Tag länger im Ungewissen und fingen noch nicht an, Alternativen für die Betreuung der Kinder zu organisieren. Das ging erst ab der Pressekonferenz um 10.30 Uhr – an einem Freitag bedeutet das in den Schulen kurz vor Unterrichtsschluss und in vielen Betrieben kurz vor Feierabend.
Man kann nur hoffen, dass die Notfallpläne für die Krankenhäuser nun besser kommuniziert und schneller umgesetzt werden. Sonst haben wir hierzulande auch bald italienische Verhältnisse. Dann lassen Fotos von völlig erschöpften und verzweifelten Ärzten und Pflegern die Aufnahmen von der Pressekonferenz schnell in Vergessenheit geraten.
