Barßel - Er wolle die Gemeinde „mitgestalten und nicht nur verwalten“. Mit diesen Worten warf 2006 der Elisabethfehner Diplom-Ingenieur Architekt Bernd Schulte seinen Hut um das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters der Gemeinde Barßel in den Ring. Mit 60,3 Prozent der Stimmen setzte er sich gegen seinen ebenfalls unabhängigen Mitbewerber Andreas Freesemann (32,2 Prozent) durch. CDU-Kandidat Otto Elsen zog seine Kandidatur wenige Wochen vor der Wahl aus gesundheitlichen Gründen zurück. An diesem Freitag, 31. Oktober, endet nun die achtjährige Amtszeit des Barßeler Verwaltungschefs. Im Januar hatte der 61-Jährige erklärt, nicht erneut zu kandidieren. Sein Nachfolger Nils Anhuth (SPD) nimmt am Montag seine Arbeit auf. Die NWZ sprach mit drei politischen Wegbegleitern Bernd Schultes.
Gemeinsam viel erreicht
„Wir haben in den zurückliegenden acht Jahren gemeinsam viel erreicht. Der Ausstieg aus dem C-Port war dabei eines der wichtigen Themen“, erinnert sich Ursula Nüdling, stellvertretende Bürgermeisterin und SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat. Auch das Restaurant „Queen of Texas“ am Hafen sei aus einer Brandruine entstanden, sagt Ursula Nüdling. „Nach guten Verhandlungen und einstimmigen Beschlüssen.“ Im Herbst 2006, kurz nach Schultes Amtsantritt, wurde das Restaurant am Barßeler Hafen ein Raub der Flammen. 2008 ersteigerte die Gemeinde die Immobilie.
Große Baumaßnahmen seien der Bau der Sporthalle in Elisabethfehn und der Anbau und die Sanierung der Barßeler Feuerwehr gewesen, sagt Ursula Nüdling. „Viel getan hat sich im Bereich der Schulen und Kindergärten“, skizziert die Politikern. „Hatten wir 2006 in Elisabethfehn eine Krippengruppe für 15 Kinder, so sind es heute vier Krippen und 60 Plätze.“
Investiert worden sei während der Amtszeit auch in die energetische Sanierung von Grundschulen, Sporthallen, Schulzentrum und Hallenbad, sagt Nüdling. Auch bei der Ortssanierung sei der Anfang gemacht. Wie berichtet, wurde 2012 in der Ortsmitte ein neues Einkaufszentrum eröffnet. „Ich wünsche Bernd Schulte für seine Zukunft alles Gute“, sagt die SPD-Politikerin.
Viel in Ort investiert
Nach nunmehr acht Jahren gehe Barßels Bürgermeister in den wohlverdienten Ruhestand, sagt Ewald Schneider, CDU-Fraktionsvorsitzender. „Beim Rückblick auf seine kommunalpolitische Arbeit kann man sagen, er hat seine Arbeit gut gemacht.“ Sein grundlegendes Anliegen in der Gemeinde sei die Vereinbarung von Familie und Beruf gewesen, meint Schneider. „Für Schule, Kindergarten und Kinderkrippen hat er sich stets eingesetzt. Vieles sei „unter seiner Regie angepackt und umgesetzt worden“. „Wir von der CDU Fraktion wünschen ihm und seiner Familie alles Gute, viel Gesundheit, Gottes Segen und eine Gute Zeit“, sagt Schneider.
Auch Barßels stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender der Gruppe BfB/Grüne erinnert sich noch gut an das Wahljahr 2006. „Es hat angefangen mit dem Projekt am Hafen“, sagt Josef Wagner. Aus einer Brandruine sei ein Restaurant geworden, das Barßel bereichere. „Das war schon eine tolle Sache.“ In den vergangenen acht Jahren sei viel in den Ort investiert worden. Nicht nur Grundschulen und Kindergärten seien saniert worden, sagt Wagner. Auch die Kinderkrippen wurden ausgebaut, Altenwohnungen und Bauplätze sind entstanden.
Nennenswert sei auch der Ausstieg aus dem C-Port, so Wagner. 2010 gab die Stimme Bürgermeister Schultes im Rat den Ausschlag. Es seien acht Jahre der Weiterentwicklung für die Gemeinde gewesen, sagt Wagner. Schulte wünsche er für die Zukunft alles Gute.
Antrag für IGS abgelehnt
Aber auch herbe Niederlagen musste Barßels Bürgermeister einstecken. Dazu zählte der Kampf um einen gymnasialen Zweig für die Gemeinde Barßel. 2012 lehnte der Kreisschulausschuss des Landkreises Cloppenburg den Antrag auf Einrichtung einer Oberschule mit gymnasialen Zweig mehrheitlich ab. Im März dieses Jahres scheiterte der Anlauf, eine Integrierte Gesamtschule (IGS) zu bekommen. Bis zuletzt hatte Schulte auf eine positive Nachricht von der Landesschulbehörde gehofft. Auch ein Lösung für die Leerstände im Ort blieb aus.
Er persönlich wolle keine Bilanz seiner Amtszeit ziehen, sagte Schulte auf Anfrage der NWZ . Die Bürger sollten selbst entscheiden, ob sie mit seiner Arbeit zufrieden seien.
