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NWZonline.de Nachrichten Politik

„Vielleicht der glücklichste Kanzler Deutschlands“

18.06.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-06-22T09:22:20Z 280 158

Pressestimmen Zum Tod Helmut Kohls:
„Vielleicht der glücklichste Kanzler Deutschlands“

Berlin „Vielleicht der glücklichste Kanzler Deutschlands“, titelt die italienische Zeitung „La Repubblica“ mit Blick auf Kohls Verdienste um die deutsche Einheit. Doch auch von der „Tragik Helmut Kohls“ ist in Pressestimmen die Rede. Für kritische Reaktionen in den sozialen Netzwerken sorgte der Titel der „taz. am Wochenende“, die unter der Zeile „Blühende Landschaften“ üppigen Grabblumenschmuck samt einer Birne über einem Trauerflor zeigt. Karikaturisten zeichneten Kohl häufig mit Birnenkopf. Eine Auswahl der Pressestimmen vom Samstag:

„Rheinpfalz“ (Ludwigshafen): „Das Erbe Kohls sind die „blühenden Landschaften“ in Ostdeutschland. Mit großem diplomatischen Geschick hat er den schnellen Weg zur Deutschen Einheit eingefädelt. Nun ist diese Einheit immer noch nicht vollendet, und wahrlich nicht alles grünt und blüht da heute. Wer allerdings die DDR kannte und heute nach Dresden oder Erfurt fährt, der sieht, wie vieles sich zum Guten gewendet hat. “

„Rhein-Neckar-Zeitung“ (Heidelberg): „Eigentlich hätte dieser Mann den Friedensnobelpreis verdient gehabt. Denn er machte aus dem Mauerfall von 1989 eine Erfolgsgeschichte des friedlichen Miteinanders in Europa.“

„Badische Zeitung“ (Freiburg): „Seine Erfolge haben Kohl häufig recht gegeben. Aber sie machten aus ihm auch einen Rechthaber, der den Zeitpunkt für einen Abschied in Würde aus dem Kanzleramt verpasste. (...) Er war ein Großer, aber er war auch ein Getriebener.“

„Freie Presse“ (Chemnitz): „1990 hat die große Mehrheit der Ostdeutschen Helmut Kohl blind vertraut. Sie brauchten in dieser Zeit jemanden, dem sie ihre Zukunft in die Hände legen konnten. (...) Dass er ihnen die Lage schöner malte, als sie war, war bestenfalls Betrug im Einverständnis mit dem Betrogenen.“

„Südkurier“ (Konstanz): „Kohls Umgang mit der Spendenaffäre zeigt, wie schmal in der Politik der Grat zwischen Erfolg und Selbstherrlichkeit sein kann. Tragischerweise hat der Altkanzler nie erkannt, welche Ungeheuerlichkeiten er sich geleistet hatte. Das fügte der CDU nach ihrem Machtverlust massiven Schaden zu und verbaute ihm bis zuletzt den Weg zu einer echten Aussöhnung. Das schmälert nichts an seinen Verdiensten.“

„General-Anzeiger“ (Bonn): „Es ist die Tragik Helmut Kohls, dass immer mehr über diese Fehler gesprochen wurde als über die Leistungen. Ihm ist es nicht wie Helmut Schmidt gelungen, nach dem Ende der Amtszeit den Nachruhm zu mehren und am eigenen Denkmal zu arbeiten. (...) Kohl hat es verdient, dass sich der Blickwinkel wandelt und sich der graue Schleier hebt. Er sollte faire Richter bekommen, frei von den Sympathien und Antipathien, die ihn zu Lebzeiten verfolgt haben. Kohl hat es verdient.“

„Hannoversche Allgemeine Zeitung“ : „Als es um die deutsche Einheit ging und später um Europa, zeigte Helmut Kohl einen Führungswillen, wie man ihn heute weltweit vergebens sucht. (...) Kohl spürte, dass die historischen Umstände günstig waren. Und er fürchtete, die EU könne in Zukunft auseinandergerissen werden von neuen nationalistischen Strömungen. Diese Warnungen galten damals als abstrus - heute bekommen sie einen neuen Klang.“

„L’Alsace“ (Frankreich): „Helmut Kohl hat - geschwächt durch die Affäre der schwarzen Kassen - sicherlich seinen Abschied verpatzt. Es war Angela Merkel, die ihren Mentor von der politischen Bühne gedrängt hat. Aber indem sie gestern Abend ihre Anerkennung für sein Handeln aussprach, gibt Merkel, die unter der kommunistischen Diktatur aufwuchs und studierte, ihm seinen Platz im Pantheon der großen Männer wieder.“

„Guardian“ (Großbritannien): „Kohl mag sich von Bismarck so sehr unterschieden haben wie Bonn von Berlin. Aber er war ebenso sehr ein Eiserner Kanzler, eisern hinsichtlich seiner Ausdauer, unerschütterlich in seinem Selbstvertrauen. Der Autor mehrerer Bücher, darunter Memoiren, der einst als Helmut II. verspottet wurde, weil er so viel glanzloser war als Helmut I., also Helmut Schmidt, bekommt auch in den Geschichtsbüchern seine Rache: Es war Kohl, nicht Schmidt, der bereitstand, als der Zug zur deutschen Wiedervereinigung vorbeirollte.“

„La Repubblica“ (Italien): „Vielleicht war Helmut Kohl der glücklichste Kanzler Deutschlands. Der, der die schmerzhafteste Wunde geschlossen hat, die, die nach dem Krieg Millionen von Familien in zwei geteilt und zerstört hat und halb Berlin in eine Gefangenen-Enklave in Ostdeutschland verwandelt hatte. (...)“

„de Volkskrant“ (Niederlande): „Wie jeder andere war auch Helmut Kohl überrascht von den schnellen Entwicklungen im November 1989. Aber er reagierte darauf auch blitzschnell. Ungeachtet des Widerstands der britischen Premierministerin Margaret Thatcher (mit ihren berühmt gewordenen Sprüchen: „Mir sind zwei Deutschland lieber als eins.“ und „Zweimal haben wir die Deutschen geschlagen. Jetzt sind sie wieder da.“) und des Zögerns des französischen Präsidenten François Mitterrand (wird Europa nun ein „deutsches Europa“?) ergriff Kohl die Chance.“

„Neue Zürcher Zeitung“ (Schweiz): „Natürlich lässt sich an einzelnen Entscheidungen von Spitzenpolitikern immer herummäkeln. Kohl machte dabei keine Ausnahme. Die wahre Größe von Staatsmännern zeigt sich, wenn sie im richtigen Augenblick das Richtige tun. Als am 9. November 1989 in Berlin die Mauer fiel, wusste Kohl intuitiv, was die Stunde geschlagen hatte. Er sah die Chance und ergriff sie. Er, dem immer nachgesagt worden war, Probleme auszusitzen, ging hohe Risiken ein.“

„Tages-Anzeiger“ (Schweiz): „Gewiss, es war auch ein historischer Zufall, der Kohl zum gefeierten Vater der deutschen Einheit machte. Wäre die Mauer nicht gefallen, hätte er dazu vielleicht nie die Chance gekriegt. Doch es stimmt auch, dass der Kanzler in den entscheidenden Monaten 1989/90 sehr viel richtig gemacht hat. Die Skepsis gegen die deutsche Wiedervereinigung war anfänglich groß. Nicht nur in Moskau, auch in Paris und London. An eine Eingliederung eines neuen Deutschland in die Nato wagte man gar nicht zu denken - zu strikt waren die Sowjets dagegen. Doch Kohl gelang das Unmögliche.“

„De Standaard“ (Belgien): „Helmut Kohl, der Mann der deutschen Einheit, der Verankerung des vereinten Deutschlands in Europa und des Euro, der die europäische Einheit unumkehrbar machen soll, vermisste bei vielen der heutigen europäischen Spitzenpolitiker europäischen Idealismus. Zu seinen letzten Worten gehörte die Mahnung, dass viel auf dem Spiel stehe, es gehe um unsere Zukunft und „unsere Zukunft heißt Europa“.“

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