VIELSTEDT - Am Dienstag geht der Flieger, rund 4900 Kilometer sind es bis Afghanistan. Dann wird Dieter Janzen wieder in eine andere Welt eintauchen. „Eine Insel gewissermaßen“, wie er sagt. Der 51-Jährige ist seit 1985 Berufssoldat und reist bereits zum dritten Mal in das kriegsgebeutelte Land. Drei Monate wird er bleiben. Insgesamt ist es sein achter Einsatz im Ausland.

Seit sich die Sicherheitslage in Afghanistan stark verschlechtert hat, „seit 2007 etwa“, wie der Stabsfeldwebel sagt, sei es dort kaum noch möglich, das Lager der Internationalen Sicherheitsbeistands-Truppe (ISAF) in Masar-i Sharif zu verlassen. Dort ist Janzen bei der Materialprüfung tätig – eine Art TÜV für sämtliche Geräte und Fahrzeuge, in denen elektronische Bauteile verarbeitet sind.

„Für mich ist der Aufenthalt dort Routine. Aber für die jüngeren, unerfahreneren Soldaten ist es schon ein Problem, dass sie das Lager kaum verlassen können“, sagt er.

Noch 2006 sei dies unproblematischer gewesen. Damals ist Janzen unter anderem am Bau einer Schule in einem Dorf beteiligt. „Die Menschen dort waren sehr gastfreundlich“, sagt der Vielstedter.

Dann verschärft sich die Situation. Bis 2009 wird auch das Lager der ISAF von den Taliban regelmäßig mit Raketen befeuert. „Dann hieß es im Bunker sitzen und warten – manchmal die ganze Nacht.“ Inzwischen habe sich die Lage durch den Einsatz von Aufklärungsdrohnen wieder beruhigt. Doch die höheren Vorsichtsmaßnahmen seien geblieben.

Die Reaktionen der Soldaten auf Beschüsse durch die Taliban seien sehr unterschiedlich. „Manche sind aufgedreht, andere schockiert, machen merkt man nichts an – wobei man ja nie weiß, was in einem Menschen wirklich vorgeht.“

Janzen selbst sieht seine Aufgabe darin, für die Sicherheit der Soldaten zu sorgen: „Wenn sie unterwegs sind, muss die Kommunikation und die Elektronik funktionieren.“ Funkgeräte, Radar und Fernmeldetechnik – zwölf Stunden dauert ein durchschnittlicher Arbeitstag für Janzen.

Seit die Sicherheitsvorkehrungen erhöht wurden, ist sein Job schwieriger geworden. „Durch die schwere Panzerung der Fahrzeuge ist die Technik schwerer zugänglich.“

Einige der Soldaten vor Ort stellten mittlerweile den Sinn des Einsatzes in Afghanistan in Frage, erzählt Janzen. Sie fragten sich, ob dem Land wirklich geholfen wurde. „Da gibt es unterschiedliche Meinungen – allerdings kann ja niemand wissen, was ist, wenn die Schutztruppe einmal abzieht.“

Wie lange sich die Bundeswehr noch an dem Einsatz in Afghanistan beteiligt, ist unklar. Dieter Janzen hat sich auch für 2013 bereits zum Dienst dort gemeldet.