Hatten/Bhutan - Tshering Tshomo (28) ist zum ersten Mal in Deutschland. Vieles ist für sie ungewohnt: die großen Städte, der Autoverkehr, die Sprache und natürlich auch das Essen. Bis Ende Dezember ist sie auf Einladung des in Hatten ansässigen Fördervereins für das unabhängige Königreich Bhutan in Deutschland.

Der Hauptgrund, warum Tshomo um die halbe Welt gereist ist, ist tatsächlich das Essen – genauer gesagt das Problem in ihrer Heimat, Lebensmittel dauerhaft haltbar zu machen. In vielen Haushalten in Dörfern wie Chendebji, um das sich der Förderverein kümmert, gibt es keine Elektrizität und damit auch keine Kühlschränke. Eine andere Lösung muss her, und der Förderverein hat sie gemeinsam mit der Menjong-Stiftung gefunden.

Sieben Einkochtöpfe und 3500 Einmachgläser werden in den nächsten Wochen nach Bhutan gebracht. Ein Sanitär- und Küchengebäude mit Stromanschluss stehen schon in Chendebji. Haben die Menschen erst einmal die Möglichkeit, ihre Lebensmittel für die Winterzeit haltbar zu machen und zuverlässig vor Tieren zu schützen, wird sich die Lebenssituation im Dorf deutlich verbessern, so die Erwartung.

Tshering Tshomo kümmert sich bereits ehrenamtlich im Auftrag des Fördervereins um die Versorgung der Kinder in dem 35-Häuser-Dorf mit Schulessen. „Sie ist sehr zuverlässig und unwahrscheinlich engagiert“, schwärmt Khenpo P. Yeshi. Der gebürtige Bhutaner lebt seit etwa neun Jahren in Deutschland und lenkt als 1. Vorsitzender gemeinsam mit seinem Stellvertreter Gerold Heidler den Förderverein. Dankbar ist man bei allem eigenen Engagement besonders der niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung. Die unterstützt das Projekt mit knapp 20 000 Euro. Geschäftsführer Carsten Bähr und Stiftungsratsmitglied Axel Brammer lernten in Hannover persönlich Tshering Tshomo und das dahinterstehende Projekt kennen.

Die 28-Jährige, die in ihrer Heimat ein kleines Reisebüro für westliche Touristen betreibt, ist eine hervorragende Köchin. Davon konnten sich ihre deutschen Gastgeber überzeugen. Wenn sie Ende Dezember wieder nach Bhutan zurückfliegt, soll sie auch eine neue Technik beherrschen, die bislang in ihrer Heimat unbekannt ist – das Einwecken von Lebensmitteln.

Tshomo sammelt während ihres vierwöchigen Aufenthalts dank der Hilfe mehrerer Frauen Erfahrung im Einkochen von Früchten, Kartoffeln, Auberginen und anderen Gemüsesorten. „Bei uns zu Hause wächst fast alles“, sagt Khenpo P. Yeshi.

Im Winter sind die Menschen dennoch gezwungen, sich fast ausschließlich von Reis zu ernähren. Künftig sollen die Vitamine aus Weckgläsern kommen. Tshomo wird in Chendebji den Frauen das Einkochen beibringen. Der Förderverein hofft sogar, dass sich diese früher auch in Deutschland verbreitete Technik in Bhutan immer weitere Kreise ziehen wird.

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten