Über dem Volkswagen-Konzern brauen sich dunkle Wolken zusammen. Nicht genug, dass das Auto-Geschäft nicht so läuft wie erhofft und die Summen bei geplanten Sparprogrammen immer größer werden. Nach der Raffke-Affäre um die Landtags- und Bundestagsabgeordneten Ingolf Viereck, Hans-Hermann Wendhausen und Jann-Peter Janssen entwickelt sich jetzt eine Schmiergeld-Affäre, dessen Ausmaß gestern noch nicht zu übersehen war.
Fest steht, dass der Personalvorstand der VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster, vor zwei Wochen rausgeschmissen wurde. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft. Er soll Schmiergeld von Zulieferern verlangt, über Strohmänner Firmen im Ausland kontrolliert und sich an Volkswagen bereichert haben.
Fest steht, dass der Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert gestern vollkommen überraschend zurückgetreten ist. Sein Abgang war eigentlich erst für 2006 vorgesehen. Die Begründung für sein plötzliches Ausscheiden überzeugte nicht wirklich.
Fest steht, dass die Staatsanwaltschaft gegen zwei weitere Mitarbeiter ermittelt, dass dies aber weder Volkert noch ein anderes VW-Vorstandsmitglied ist.
Alles weitere sind Medien-Gerüchte: Dass VW-Personalchef Peter Hartz und Volkert in die Affäre verwickelt sind und dass IG-Metall-Chef Jürgen Peters sowie Niedersachsens Ex-Ministerpräsident Sigmar Gabriel und Bundeskanzler Gerhard Schröder Mitwisser seien, was diese sofort unter Androhung rechtlicher Schritte dementierten. Entweder Deutschland hat einen neuen Groß-Skandal oder einen Medien-Skandal.
Für das Land Niedersachsen, dessen größter Arbeitgeber VW ist, und die VW-Mitarbeiter sind die Affären bedrückend. Der Imageschaden für die Marken von VW ist noch nicht abzusehen. Letztendlich gefährdet dies zusätzlich zu den Verkaufsproblemen die Arbeitsplätze. Egal wie groß die Kreise werden, die die neue Affäre zieht, VW-Chef Bernd Pischetsrieder tut gut daran, die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen voll zu unterstützen.
Den Autor erreichen Sie unter Jordan@infoautor.de
