Berlin - Die einen haben Respekt für seinen Lebensweg und bewundern ihn, die anderen kritisieren ihn für seine Anpassung. Ohne Rummel feiert Joschka Fischer am Freitag den 65. Geburtstag. Der wieder hochgekommene Wunsch, Fischer möge noch einmal ausführlich über seine alten Zeiten als Straßenkämpfer aufklären, wird wohl nicht in Erfüllung gehen.
Zuletzt geäußert hat die Bitte der Polizist Jürgen Weber im „Stern“. Bei einem Einsatz in Frankfurt/Main 1976 wäre er fast verbrannt – er wurde Opfer eines Molotowcocktails. „Fischer ist für mich der geistige Täter“, sagt er dem Magazin. Denn am Abend vor der Tat hatte Fischer als linker Szeneführer laut dem „Stern“ unter Berufung auf Zeugen zum Einsatz von „Mollis“ aufgerufen.
Die Sponti-Zeit holte ihn bereits vor Jahren ein. 2001 distanzierte sich Fischer von der früheren Gewaltbereitschaft und bestritt größere Aktionen. Doch Kritiker sehen weiter unbeantwortete Fragen und werfen ihm vor, es bei seinen Aussagen dazu vor dem Bundestag mit der Wahrheit nicht genau genommen zu haben.
Wer Fischer heute auf Berichte über die Straßenkämpfer-Zeiten anspricht, der erlebe einen wortkargen, brummigen Mann, schreibt ein „Bild“-Journalist, der Fischer getroffen hatte. Sonst will Fischer mit der Öffentlichkeit wenig zu tun haben. Bei Anlässen wie der Berlinale zeigt er sich mal. Journalisten-Anfragen an seine Firma „Joschka Fischer & Company“ lässt er unbeantwortet.
Die Laufbahn des Metzgerssohns ist ziemlich sagenhaft: vom jungen Mann mit abgebrochener Fotografenlehre und Taxifahrer zum Bundesaußenminister und schließlich Top-Berater. Siemens, RWE, BMW und Rewe gehören oder gehörten zu den Auftraggebern seiner Company.
Zu den Grünen pflegt Fischer heute ein Nichtverhältnis. Vergeblich versuchten sie ihn vor wenigen Wochen für ihre Geburtstagsparty zum 30-jährigen Jubiläum des Bundestagseinzugs zu gewinnen.
