Masar-I-Scharif - Auch ein Adventsfrühstück kann zum Spektakel werden: Am Sonntagmorgen schmiert sich Ursula von der Leyen in der Kantine im Camp Marmal in Masar-i-Scharif ein Marmeladen-Brötchen – bedrängt von mehr als 40 Kameraleuten, Reportern und Fotografen. Die Reise nach Afghanistan ist der erste Kontakt der neuen Verteidigungsministerin mit Soldaten im Einsatz.

Die frühere Arbeitsministerin hatte das Amt vergangenen Dienstag von Thomas de Maizière übernommen, der ins Innenministerium wechselte. Die 55-jährige CDU-Politikerin ist die erste Frau an der Spitze der Bundeswehr.

Zu ihrer neuen Rolle als Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt (Ibuk) sagte von der Leyen vor den Soldaten: „Ich bin jetzt die Ibuk. Das ist noch etwas gewöhnungsbedürftig für mich und für Sie, glaube ich.“ Von der Leyen wollte unbedingt noch vor dem Jahreswechsel nach Afghanistan reisen, um einen „Einblick in die Lebenswirklichkeit“ der Soldaten bekommen, wie sie sagte.

Nach einem Treffen mit dem Kommandeur der Nato-geführten Truppe Isaf, US-General Joseph Dunford, bekräftigte die Ministerin, dass Deutschland zur Fortsetzung des militärischen Engagements in Afghanistan auch nach 2014 bereit sei.

Die Nato beendet in einem Jahr ihren Kampfeinsatz in Afghanistan, will aber mit bis zu 12 000 Ausbildern und Beratern im Land bleiben. Deutschland hat dafür bis zu 800 Soldaten angeboten. Voraussetzung ist aber, dass der afghanische Präsident Hamid Karsai ein Abkommen unterzeichnet, das den ausländischen Truppen Sicherheit vor Strafverfolgung in Afghanistan verschafft. Bislang verweigert Karsai die Unterschrift.

Camp Marmal ist das letzte deutsche Feldlager in Afghanistan. Während des Besuchs der Ministerin kam es laut Bundeswehr zu einer „ungewollten Schussabgabe“ bei einem Maschinengewehr. Niemand sei verletzt worden.