Beinahe ein Heimspiel war das Stadtfest für die schöne Miss Germany: Anne Julia Hagen kennt die Stadt schon, denn ihre Mutter ist in Oldenburg geboren und erst später nach Berlin gezogen. Ihr Onkel wohnt noch immer hier, und so ist die Familie mehrmals im Jahr zu Gast. Auch wenn Anne Julia Hagen als Miss Germany bereits viele Prominente getroffen hat, so ist die Begegnung mit Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg etwas ganz Besonderes. Er sei „sehr, sehr sympathisch“, sagte sie, die auf zehenfreien, hochhackigen Pumps und in einem königsblauen Kleid von der Bühne über das Pflaster am Arm ihrer Mutter zum Rathaus stöckelte. Ihr Krönchen trug sie allerdings nicht, aber ein strahlendes Lächeln für den Freiherrn. Kein Wunder, KT, so wie Freunde den Minister nennen, zählt in Berlin zu den Polit-Lieblingen.

Sorgen um das Wetter machte sich SPD-Landtagsabgeordneter Jürgen Krogmann (SPD). „Als ich noch Stadtsprecher war, gab’s keinen Regen. Und nun das.“ Er war mit dem Fahrrad gekommen und hatte seine Regenjacke unterm Sattel versteckt.

Großeinsatz auf allen Feldern des Profi-Herds in der Küche des Hotels Altera: Beim offiziellen Stadtfestempfang hatte Küchenchef Cord-Henning Pieper mehr als 250 VIP-Gäste zu verwöhnen. Sie ließen sich warme und kalte Spezialitäten schmecken: Schweinefilet in Basilikum-Crêpes-Mantel, Rauchmatjes auf Kräuter-Quarkcreme, Pollo tonnato und zum Dessert Panna cotta und anschließend Brie mit Feigensenf.

Nicht für sich selbst, sondern für einen guten Zweck sind der „Ladies’ Circle“ und der „Round Table“ wieder auf dem Stadtfest aktiv. Der Erlös des Standes mit Cocktails und Bier von Donnerstag bis Sonnabend jeweils ab 18 Uhr am Abraham gegenüber der Sierra-Bar (hinter Hema) kommt der Mukoviszidose-Versorgung am Klinikum zugute.

Ganz auf seine Weise hatte sich Staatstheater-Generalintendant Markus Müller auf den Ministerbesuch vorbereitet: Er lud den sympathischen Franken zur Premiere von Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ auf den Fliegerhorst am 11. September ein. „Es freut mich, wenn eine Konversionsentscheidung so kulturell aufgefangen wird“, sagte zu Guttenberg.

Mit einer gelben Schleife am Revers verließ der Verteidigungsminister das Rathaus. Die hatte er von Monica Melloh bekommen, der Repräsentantin des „Gelben Netzwerks“, das sich für Solidarität mit „unseren Soldatinnen, Soldaten, Reservistinnen und Reservisten“ einsetzt.

Stadtfestorganisator Reinke Haar erlebte sein erstes Stadtfest als nahezu stummer Partygänger. Durch eine Erkältung war er so heiser geworden, dass er keinen Pieps mehr rausbekam auf der Bühne. „Seit heute früh ist meine Stimme weg“, flüsterte er. Minister zu Guttenberg tröstete ihn schlagfertig: „Sie könnten in die Politik gehen, weil man da auch nichts aussagen muss.“

Schausteller-Chef Michael Hempen und Helmut Mondorf luden den Minister mit einem Herzen zum Kramermarkt ein. Mindestens eine halbe Zusage für ihn und seine Frau Stephanie, eine Ururenkelin Bismarcks, gab es. Für eine Einladung in das Berliner Promi-Restaurant Borchardt zum Grünkohl freute er sich zwar, meinte aber, den müsse er, das gebiete die Höflichkeit, in Oldenburg essen.