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NWZonline.de Nachrichten Politik

Von Vertrauen und Vergangenem

24.11.2016

Berlin „Du bist die personifizierte Vertrauenswürdigkeit.“ Rudolf Seiters, CDU-Urgestein aus dem Emsland, früherer Kanzleramts- und Innenminister, sitzt auf dem Podium der Konrad-Adenauer-Stiftung und wird von seinem alten Freund und Gefährten, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), in den höchsten Tönen gelobt. Seiters habe eine „zentrale Rolle in der deutschen Politik gespielt“, sagt Schäuble, und kommt gleich zur Sache: „Du hättest doch damals nicht zurücktreten müssen.“

Geschichtsstunde am Mittwoch im Berliner Tiergarten. Seiters Autobiografie „Vertrauens-Verhältnisse“ wird vorgestellt. Und was Parteifreund Schäuble anspricht, ist der Tiefpunkt in Seiters’ bewegender Karriere gewesen: Als im Juni 1993 auf dem Bahnhof von Bad Kleinen bei einer desaströsen GSG-9-Aktion der RAF-Terrorist Wolfgang Grams einen Polizisten erschoss und danach Suizid beging, war in den Medien zunächst von einer „regelrechten Hinrichtung“ Grams’ die Rede gewesen. Seiters war damals Innenminister – und trat am 4. Juli überraschend zurück.

„Es ist mir nicht leichtgefallen, aber ich bin überzeugt, dass es richtig war“, erinnert sich Seiters, heute 79 Jahre alt. „Es war mein Signal: Hier wird nichts vertuscht, hier wird aufgeklärt.“ Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl sei von seinem Schritt „wie vom Donner gerührt gewesen“. Dass Seiters aus freien Stücken die Verantwortung übernommen und die Regierung völlig uneigennützig vor der Zerreißprobe bewahrt hatte, wurde ihm später hoch angerechnet.

Seiters, 33 Jahre im Bundestag, Kanzleramtschef zur Zeit von Mauerfall und Wiedervereinigung, Bundesinnenminister von 1991 bis 1993, seit 2003 Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und damit im Zentrum der Flüchtlingskrise: Er hat ein packendes Buch über sein Leben geschrieben.

Auch an die Höhepunkte erinnerte er sich am Mittwoch gemeinsam mit Schäuble. Der historische Auftritt mit dem damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) auf dem Balkon der Prager Botschaft, bei dem Genscher mit seinem vom Jubel erstickten Halbsatz Tausenden DDR-Flüchtlingen die Ausreise in die Bundesrepublik bestätigte, sei für ihn „vielleicht die Szene meiner politischen Laufbahn“ gewesen, sagt Seiters bewegt.

Nach seinem Rücktritt als Innenminister blieb der CDU-Politiker weitere neun Jahre im Parlament, die letzten vier als Bundestagsvizepräsident, schied erst 2002 aus. Neunmal war er von den Emsländern und Ostfriesen in den Bundestag gewählt worden. Das große Vertrauen der Menschen in seiner Heimat „werte ich in der Rückschau als schönste Bestätigung meiner Arbeit“, so Seiters.

Seit 2003 steht der Ehrenbürger seiner Heimatstadt Papenburg an der DRK-Spitze. Es war eine gute Fügung, dass das Rote Kreuz damals einen neuen Präsidenten suchte. „Sie hätten keinen besseren als Rudolf Seiters finden können“, sagte Schäuble auf dem Podium. Wie wenige verkörpere er persönliche Integrität. „Vertrauens-Verhältnisse“ ist der Titel von Seiters’ Buch, und Vertrauen ist Seiters’ großes Thema.

Tobias Schmidt Korrespondentenbüro Berlin
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