Sande - Die Gemeinde Sande wird sich an der vom Kreistag 2014 beschlossenen Einführung eines Gütesiegels für Kindertagesstätten vorerst nicht beteiligen. Das hat der Ausschuss für Kinder, Jugend und Soziales am Donnerstagabend mit großer Mehrheit von SPD und CDU beschlossen. Einzig Kirstin Pöppelmeier (Grüne) sprach sich für eine zügige Teilnahme an dem Projekt zur Bewertung der Einrichtungsqualität aus.
Die Gegner des Gütesiegels kritisieren vor allem den damit verbundenen bürokratische Aufwand und die Dokumentationspflichten. Ratsvertreter wie auch manche Erzieherinnen befürchten, dass die dafür benötigte Zeit zu Lasten der Kinder gehe.
Zweierlei Maß
Zweifel an der Aussagekraft eines Gütesiegels für die kommunalen Kindergärten bestehen auch deshalb, weil es für die kirchlichen Kindergärten wiederum ein eigenes Gütesiegel gibt. Das wird vom Qualitätsmanagementprozess der Oldenburgischen Landeskirche gesteuert und verlangt offenbar höhere Standards als das Qualitätssiegel der Kommunen.
Uwe Wispeler (SPD) erneuert daher seine Kritik am Gütesiegel als „überflüssigen Quatsch, den keiner braucht, weil es nichts aussagt“. Die Erzieherinnen in den Kindergärten leisteten hervorragende Arbeit, dafür brauche man kein Siegel. Er halte es für ratsam, zunächst abzuwarten, was die Kirche macht. Auch Oliver Kohls (CDU) warnt vor zu viel neuer und unnötiger Bürokratie: „Die Mitarbeiter in den Kindertagesstätten sollen sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren.“
Ausgezeichnete Arbeit
Fachbereichsleiter Hans-Hermann Tramann hatte zuvor für die Verwaltung empfohlen, dass sich die Gemeinde zumindest in diesem Jahr noch nicht mit der Einführung befasst. Denn mit dem Gütesiegel seien häufige Teamfortbildungen verbunden, die wiederum für Schließungszeiten im Kindergarten sorgen. „Wir müssen die Eltern bei dem Thema mit ins Boot holen, denn die sind die Betroffenen, wenn wegen Fortbildungsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Gütesiegel die Einrichtung geschlossen bleibt.“
Grundsätzlich stehe er dem Thema positiv gegenüber, betonte Tramann. Denn das Gütesiegel diene der Qualitätssicherung und bringe die Einrichtung sicherlich voran. Tramann bezweifelt aber, dass das Gütesiegel für die Eltern überhaupt ein Auswahlkriterium ist: „Das wird von den Eltern vermutlich gar nicht beachtet.“ Nicht nur Tramann machte klar: Wichtig ist letztlich die praktische Arbeit. Und die sei in allen Sander Kindergärten schon heute ausgezeichnet.
