Cappeln - Mit einem fünfseitigen Schreiben hat der ehemalige Gemeindedirektor Alfons Marischen in der Gemeinde Cappeln für Zündstoff gesorgt. Darin hatte er die Entwicklung des Cappelner Ortskerns scharf kritisiert und der Gemeindeverwaltung, dem Gemeinderat und Grundstückseigentümern Untätigkeit in den vergangenen 15 Jahren vorgeworfen. In dem Schreiben kritisiert er das Fehlen einer Gastronomie im Ort ebenso wie den „trostlosen Anblick der Grundstücke an der Macro­straße“ und die nicht entwicklungsförderliche Nutzung verschiedener Grundstücke an der Cloppenburger Straße und Große Straße.

„Das wollen wir nicht auf uns sitzen lassen“, reagierten nun die Vorsitzenden der SPD- und CDU-Fraktionen, Rudolf Arkenau und Martin Vorwerk, auf die Vorwürfe. Diese seien „eine absolute Unverschämtheit“.

Seit Marischen 1997 aus dem Amt des Gemeindedirektors geschieden sei, habe sich einiges getan. Es sei deshalb unfair den Beteiligten in Verwaltung und Rat die Mühen, die sie in die Arbeit für die Gemeinde steckten, auf diese Art zu danken. In der Amtszeit des nun scheidenden Bürgermeisters Reinhold Grote seien Kindergärten gebaut und saniert worden, gleiches gelte für Schulen. Wohn- und Gewerbegebiete wurden geschaffen, an weiteren Plänen werde derzeit gearbeitet. Auch um die Aufnahme Cappelns ins Dorferneuerungsprogramm und Integrierte ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) habe sich die Gemeinde intensiv bemüht, wenn auch vergebens. „Das ist alles nach Marischens Amtszeit passiert, man kann also nicht behaupten, es habe sich nichts getan“, sagte Arkenau.

Dass sich die Ansiedlung von Einzelhandel in Cappeln schwierig gestalte, sei bekannt. Es habe Gespräche zur Ansiedlung eines Fahrrad-, eines Motorgeräte und eines Brillengeschäfts gegeben, die Gemeinde vermittelte die Kontakte. Das sich die Geschäftsleute dann gegen Cappeln als Standort entschieden hätten, habe unterschiedliche Gründe gehabt. „Wir können doch nur als Mittler auftreten, wenn es um Grundstücke geht, die im Privatbesitz sind. Wir können die Besitzer nicht zu Verkauf oder Vermietung zwingen“, so Vorwerk. Nach den Ausführungen Marischens würde es ihn überdies nicht wundern, wenn die betreffenden Grundstückseigentümer und Unternehmer nun aus Prinzip nicht mehr mit der Gemeinde reden würden. „Wir haben schon seit Jahren mit den Altlasten von Marischens autoritärem Verhandlungsstil in der Gemeinde zu kämpfen, jetzt setzt er noch einen oben drauf“, finden die Fraktionsvorsitzenden. Sie sehen das Ansehen der Gemeinde beschädigt.